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Hunfride

Adalberte

Im Dienst der Karolinger vor allem in Rätien, Alemannien und in Italien aktive Adlige, deren Herkunft wohl fränkisch war. Von den Hunfriden stammte vielleicht das schwäbische Herzogsgeschlecht der Burchardinger (10. Jh.) ab. Der 806/808 in Rankweil (Vorarlberg) als Reciarum comis bezeugte Graf Hunfrid wurde von Karl dem Grossen auch zur Streitschlichtung nach Italien geschickt und übernahm dort zusätzlich die Verwaltung Istriens. Ob er identisch ist mit dem gleichnamigen Grafen von Chur, der 823 in Rankweil residierte und als Legat Ludwigs des Frommen in Rom tätig war, bleibt offen. Für die vom Kaiser erworbene Reliquie des Heiligen Blutes errichtete Hunfrid das Kloster Schänis. Sein Sohn Adalbert geriet in Opposition zu Ludwig dem Frommen, der die Welfen in Rätien unterstützte; Adalbert, der fliehen musste und zeitweilig bei seinem Bruder in Istrien lebte, konnte im Zuge des sogenannten Aufstands Bernhards von Italien 817 für eine beschränkte Zeit zurückkehren. Bald nach 824 wurden die Hunfride in Rätien durch einen der Herkunft nach unbekannten Grafen Roderich verdrängt, der mit dem Bischof von Chur in Konflikt geriet. Ungewiss ist, ob ein um 836/838 im Thurgau belegter Graf Adalbert (I) mit dem Sohn Hunfrids identisch war. Sein 855 und 860-893 bezeugter, nicht direkter Nachfolger Adalbert (II) könnte sein Sohn gewesen sein, doch fehlen dafür die Belege. Gleichzeitig mit diesem Adalbert, «dem Erlauchten», der auch in anderen Landschaften Alemanniens amtierte, war ein weiterer Graf Hunfrid im Zürichgau tätig (872-876). Adalberts (II) Sohn Adalbert (III) löste seinen Vater im Thurgau ab (894-910?); er unterstützte 911 den Versuch seines Bruders Burchard I., des Markgrafen von Rätien, in Alemannien ein Herzogtum zu errichten. Beide bezahlten dafür mit dem Leben, doch konnte Burchards gleichnamiger Sohn Burchard II. 917 tatsächlich die Herzogsherrschaft in Schwaben erringen. Auf ihn folgte 954 sein Sohn Burchard III., mit dem das Geschlecht 973 ausstarb.

Quellen und Literatur

  • M. Borgolte, Gesch. der Grafschaften Alemanniens in fränk. Zeit, 1984, v.a. 219-229
  • K. Schmid, «Von Hunfrid zu Burkard», in Gesch. und Kultur Churrätiens, hg. von U. Brunold, L. Deplazes, 1986, 181-209
  • LexMA 5, 219 f.
  • G. Althoff, Amicitiae und Pacta, 1992, 273-282
  • P. Depreux, Prosopographie de l'entourage de Louis le Pieux (781-840), 1997, 268
  • R. Rappmann, A. Zettler, Die Reichenauer Mönchsgemeinschaft und ihr Totengedenken im frühen MA, 1998, 475 f.
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Kurzinformationen
Variante(n)
Hunfridinger

Zitiervorschlag

Michael Borgolte: "Hunfride", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 09.07.2008. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/020831/2008-07-09/, konsultiert am 01.03.2024.