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WetterAR

Altes, 1412 erstmals erw. Appenzeller Geschlecht. Lorenz (->), der einer bäuerl. und im Solddienst verhafteten Gaiser Fam. entstammt, gelang gegen Ende des 17. Jh. dank Förderung durch den späteren Schwiegervater ein aussergewöhnl. Aufstieg in Leinwandhandel und Politik. Seine in Herisau ansässigen Söhne Adrian (->) und Johann Rudolf (->), seine Enkel Lorenz (->) und Johann Ulrich sowie deren Nachkommen blieben im Textilgewerbe erfolgreich und gehörten bis um 1820 zu den führenden Kaufleuten im Handel mit Frankreich. Nach vorübergehender Baisse erlebten die sechste und siebte Generation mit dem Stickerei-Exporthaus Wetter & Co. ab 1881 eine neuerliche wirtschaftl. Blüte. Im Zuge des Schrumpfungsprozesses der Textilbranche in der Schweiz bedeutete Hans' Tod 1980 zugleich das Ende des Familienunternehmens und der Kaufmannsdynastie. Als Führer der demokrat. Kräfte prägten die W. die Ausserrhoder Politik des 18. Jh. nachhaltig. Ihren Aufstieg begleiteten harte Auseinandersetzungen mit den fast unumschränkt herrschenden Fam. Tanner aus Herisau und Zellweger aus Trogen. Im Zusammengehen mit den Fam. Gruber, Schiess und Meyer schufen die W. einen machtpolit. Gegenpol. In den Wirren des Landhandels (1732-34) gelang die Eindämmung der polit. Gegner, worauf die W. selbst eine Art Familienherrschaft errichteten. Eine Heirat zwischen einem Angehörigen der Fam. W. und der Fam. Zellweger markierte 1754 die Anerkennung ihrer Stellung und zugleich die Versöhnung mit den ehem. Rivalen. Zwischen 1718 und 1797 stellten die W. in drei Generationen vier Landesbeamte, wovon drei Landammänner, und sassen während 68 Jahren in der Landesregierung. Machtfülle und Reichtum bezeugen zwei um 1737 vollendete Häuser am Platz in Herisau. Kompromittiert als Führer der Franzosenpartei wurden die W. nach der Helvetik politisch ausgeschaltet. Nur noch einmal, 1820-24, gelangte ein Familienmitglied in die Kantonsregierung.

Quellen und Literatur

  • StAAR, PrivA
  • AppGesch. 2
  • Holderegger, Unternehmer
  • P. Witschi, «Die W.-Saga», in Herisau, 1999, 124