de fr it

GallusAlt

10.9.1610 Oberriet (SG), 4.3.1687 St. Gallen, katholisch. Sohn des Landwirts Johann. Wahrscheinlich besuchte Gallus Alt die Lateinschule in Appenzell. Nach seiner Profess in St. Gallen (1628) und der Priesterweihe (1636) weilte er zum Rechtsstudium in Ingolstadt und Rom, wo er 1642 zum Dr. iur. can. promovierte. 1645 wurde er fürstäbtischer Statthalter in Ebringen (Breisgau), 1647 Subprior, 1650 Prior und Statthalter in St. Johann im Thurtal und 1652 Dekan. Am 17. Dezember 1654 erfolgte seine Wahl zum Fürstabt von St. Gallen. Unter seiner Regierung beteiligte sich das Stift St. Gallen 1663 am Bündnis der eidgenössischen Orte mit Frankreich. Nachdem die Abtei sich unter dem Landshofmeister Fidel von Thurn 1676 Österreich zugewendet hatte, rief Alt im folgenden Jahr die in französischen Diensten stehenden sankt-gallischen Truppen zurück. Alt wirkte vor allem als Bauherr und geistlicher Reformer. So wurden im Stiftshof der Konventflügel und die Pfalz neu errichtet, wobei die alte Galluskapelle abgerissen wurde. Auch in den Pfarreien des Stiftsgebiets liess Alt Kirchen, Kapellen und Pfarrhäuser bauen. 1684 kaufte er die thurgauische Herrschaft Hagenwil zurück. 1666-1669 erschien der Cursus theologicus, ein alle theologischen Disziplinen umfassender Lehrgang, der weit über St. Gallen hinaus Verbreitung fand. Das Gymnasium in Mariaberg bei Rorschach wurde, da Alt die nahe gelegenen Jesuitenkollegien in Konstanz und Feldkirch nicht konkurrenzieren wollte, und aus Gründen der klösterlichen Disziplin – es bedingte häufige Abwesenheiten von St. Galler Konventualen – 1666 aufgehoben. Die Stiftspfarreien visitierte Alt mehrmals persönlich. Zudem förderte er Translationen römischer Katakombenheiliger. 1686 schloss er ein Schutzbündnis mit Savoyen und erhielt dadurch als erster St. Galler Fürstabt den Annuntiatenorden. Mit persönlicher Einfachheit, bescheidener Zurückhaltung und ruhiger Autorität gelang es ihm, das Reformwerk seiner Vorgänger fortzusetzen, obwohl ihm die finanzielle Lage der Abtei Sorgen bereitete.

Quellen und Literatur

  • HS III/1, 1334 f.
  • J. Duft, «Fürstabt Gallus Alt, der Aufsteiger», in Die Abtei St. Gallen 3, hg. von P. Ochsenbein, E. Ziegler, 1994, 118-129
Weblinks
Normdateien
GND
VIAF

Zitiervorschlag

Werner Vogler: "Alt, Gallus", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 22.06.2015. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/021737/2015-06-22/, konsultiert am 23.02.2024.