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AlbertoGiacometti

Alberto Giacometti in seinem Pariser Atelier. Fotografie von Ernst Scheidegger, um 1962 (Fotostiftung Schweiz, Winterthur) © Stiftung Ernst Scheidegger-Archiv, Zürich.
Alberto Giacometti in seinem Pariser Atelier. Fotografie von Ernst Scheidegger, um 1962 (Fotostiftung Schweiz, Winterthur) © Stiftung Ernst Scheidegger-Archiv, Zürich.

10.10.1901 Borgonovo, 11.1.1966 Chur, reformiert, von Stampa. Sohn des Giovanni Giacometti und der Annetta geborene Stampa. Bruder von Bruno und Diego Giacometti. 1949 Annette Arm. Bis 1915 besuchte Alberto Giacometti die Schulen in Stampa, anschliessend bis zum Austritt 1919 das Gymnasium in Schiers. Von da an wandte er sich vollständig der Kunst zu. 1919-1920 studierte er Kunst an der Ecole des Beaux-Arts und der Ecole des arts industriels in Genf. Auf seinem Besuch der Biennale in Venedig und der Reise durch Italien begeisterten ihn Tintoretto, Giotto und die antiken Ruinen. Giacometti bildete sich 1922-1927 an der Académie de la Grande Chaumière beim Bildhauer Antoine Bourdelle in Paris weiter und liess sich 1927 dauerhaft in Paris nieder. Er widmete sich der Malerei und Plastik und entwarf gleichzeitig Einrichtungsobjekte für den Innenarchitekten Jean-Michel Frank und Schmuck für die Modeschöpferin Elsa Schiaparelli. 1930 stellte er mit Hans Arp und Joan Miró bei Pierre Loeb in Paris aus. Im selben Jahr schloss er sich den Surrealisten an. Er studierte intensiv die menschliche Figur und schuf Porträtbüsten. 1932 erhielt Giacometti die erste Einzelausstellung in der Galerie Pierre Colle und im Salon des Surindépendants (Der Käfig 1930-1931). 1934 brach der Künstler mit dem Surrealismus und kehrte zur Arbeit nach der Natur zurück. Modell stand sein Bruder Diego. 1939 begann die Freundschaft mit Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir. Während des Zweiten Weltkriegs lebte er 1942-1945 mit Diego in Genf. 1947 und 1950 konnte er in der Galerie Pierre Matisse in New York ausstellen. Giacometti schloss 1950 einen Vertrag mit der Galerie Maeght in Paris und erhielt Aufträge für Bronzeskulpturen. Die Kunsthalle Bern veranstaltete 1956 die erste grosse Retrospektive seines Werks. Im gleichen Jahr vertrat Giacometti an der Biennale von Venedig seine Wahlheimat Frankreich mit der Gruppe stehender Frauenfiguren Femmes de Venise. 1961 erstellte er das Bühnenbild für Samuel Becketts Warten auf Godot. In der 1964 eröffneten Fondation Maeght in Saint-Paul-de-Vence erhielt er einen zentralen Platz für sein Werk. 1964 wurden seine Bilder und Plastiken an der Schweizerischen Landesausstellung präsentiert. 1965 erfolgte die Gründung (trotz heftigen Widerstands) der Alberto-Giacometti-Stiftung in Zürich. Giacometti gewann an der Biennale von Venedig 1962 den Grossen Preis für Bildhauerei. 1965 wurde er mit dem Grand prix national des Arts durch den französischen Staat und mit dem Ehrendoktor der Universität Bern ausgezeichnet.

Giacometti zählt zu den bedeutendsten Schweizer Künstlern des 20. Jahrhunderts. Obwohl er hauptsächlich in Paris wirkte, besuchte er regelmässig sein Herkunftstal Bergell, mit dessen Landschaft er sich auch künstlerisch auseinandersetzte. Hauptgegenstand seiner Kunst ist aber die Darstellung des Menschen in seiner existenziellen Bedrängnis. Sein plastisches Werk ist eine grossartige Produktion surrealistischer Konstruktionen in monumentaler Form unter gleichzeitiger Reduktion des stofflichen Volumens zugunsten des offenen Raums.

Quellen und Literatur

  • Giacometti, Alberto: Ecrits, présentés par Michel Leiris et Jacques Dupin, préparés par Mary Lisa Palmar et François Chaussende, 1990 (Savoir. Sur l'art).
  • Kunsthaus Zürich, Zürich, Alberto Giacometti-Stiftung.
  • Biografisches Lexikon der Schweizer Kunst, Bd. 1, 1998, S. 394-395.
  • DoschLeza: Kunst und Landschaft in Graubünden. Bilder und Bauten seit 1780, 2001, S. 287-300.
  • Jaccottet, Philippe: Alberto Giacometti. Œuvre gravé, 2001 (Ausstellungskatalog).
  • PeppiattMichael; Hohl, Reinhold: Alberto Giacometti. Œuvres de la maturité, 2002.
  • Todisco, Vincenzo (Hg.): Alberto Giacometti. Sguardi, 2002.
  • Wilson, Laurie: Alberto Giacometti. Myth, Magic, and the Man, 2003.
Von der Redaktion ergänzt
  • Büttner, Philippe; Di Crescenzo, Casimiro et al.: Alberto Giacometti – Material und Vision. Die Meisterwerke in Gips, Stein, Ton und Bronze, 2016 (Ausstellungskatalog).
Weblinks
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Kurzinformationen
Familiäre Zugehörigkeit
Lebensdaten ∗︎ 10.10.1901 ✝︎ 11.1.1966

Zitiervorschlag

Ellenberger, Elisabeth: "Giacometti, Alberto", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 11.11.2020. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/021881/2020-11-11/, konsultiert am 02.12.2020.