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Jean-EtienneLiotard

Selbstporträt mit Bart. Pastell auf Papier, 1749 (Cabinet d'arts graphiques des Musées d'art et d'histoire Genève, no inv. 1843-0005).
Selbstporträt mit Bart. Pastell auf Papier, 1749 (Cabinet d'arts graphiques des Musées d'art et d'histoire Genève, no inv. 1843-0005). […]

22.12.1702 Genf, 12.6.1789 Genf, ref., von Genf. Sohn des Antoine, Händlers, nach seiner Flucht aus Montélimar in Genf eingebürgert, und der Anne Sauvage. 1756 Marie Fargue, Tochter eines franz. Kaufmanns. Lehre in Genf beim Maler Daniel Gardelle, ab 1723 in Paris Schüler des Miniaturmalers Jean-Baptiste Massé. Nach drei Jahren verliess L. dessen Atelier und versuchte sich als Porträtmaler durchs Leben zu schlagen. 1736 begab er sich nach Rom. Hier lernte er den Ritter William Ponsonby, den zukünftigen Lord Bessborough, kennen. Mit ihm reiste er 1738 nach Konstantinopel, wo er fünf Jahre blieb. Er dokumentierte mit Kohle- und Rötelstift die Sitten und Bräuche des Alltagslebens im Nahen Osten. Der unermüdl. Reisende L. hielt sich 1743-45 in Wien auf, wo er Hausmaler der kaiserl. Familie und des Adels wurde. Dort entstand sein berühmtestes Pastellbild, das Porträt von Nandl Baldauf mit dem Titel "La Belle Chocolatière". Nach seiner Rückkehr nach Paris wurde er 1749 vom Marschall de Saxe am Hof eingeführt. Er stellte mehrmals an der Akad. Saint-Luc aus. In London, wo er ab 1754 lebte, erhielt er dank der Förderung durch Lord Bessborough zahlreiche Aufträge, darunter denjenigen für das "Portrait de la princesse de Galles et de ses neuf enfants". 1755-56 war er in Holland, 1757 liess er sich in Genf nieder.

Als reicher und berühmter Mann malte er die Porträts der städt. Notabeln, v.a. jene der Fam. Tronchin und der Ausländer auf Durchreise. Sein Stil wurde strenger, seine Zeichnungen genauer: Das von Gustave Flaubert und Jean Auguste Dominique Ingres bewunderte "Portrait de Madame d'Epinay" (gegen 1759) ist das beste Beispiel dafür. Nach seiner Rückkehr nach Wien 1762 zeichnete er mit der Kreide in den Farben Schwarz, Weiss und Rötel die Porträts der elf Kinder der Königin Maria Theresia. 1770-72 und 1773-74 hielt er sich erneut in Paris bzw. London auf und stellte mit Erfolg an der Royal Academy aus. L. organisierte zwei Verkäufe seiner Sammlung: Den ersten 1773 unter eigener Leitung und den zweiten 1774 bei Christie's. Er begann mit der Abfassung seines "Traité des principes et des règles de la peinture" von 1781, in dem er vehement die bei seinen Zeitgenossen so beliebte deutl. Strichführung (touche apparente) bekämpfte. Vor seiner endgültigen Rückkehr nach Genf 1778 reiste er ein letztes Mal nach Wien. Im freiwilligen Exil in Confignon bei Genf entdeckte L. das Stillleben und malte die Früchte seines Gartens in sehr nüchternem Stil, mit der gleichen Perfektion, mit der er früher seine Porträts gemalt hatte. Seine Kunst stand dem franz. Stil des 18. Jh., der auf Charme, Eleganz und Brillanz Wert legte, diametral entgegen. L. bediente sich einer schnörkellosen Bildsprache, die jedes Zugeständnis an eine schmeichelhafte Verschönerung der Modelle ablehnte und beharrlich an seiner exklusiven Vorliebe für die wahrheitsgetreue Darstellung festhielt.

Quellen und Literatur

  • BGE, Nachlass
  • R. Loche, M. Roethlisberger, L'opera completa di L., 1978
  • Dessins de L., Ausstellungskat. Genf, Paris, 1992, (mit Verz. des gezeichneten Werks)
  • A. Holleczek, Jean-Etienne L., 2001
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Lebensdaten ∗︎ 22.12.1702 ✝︎ 12.6.1789