30.10.1741 Chur, 5.11.1807 Rom, katholisch, aus Schwarzenberg im Bregenzerwald. Porträt- und Historienmalerin, Zeichnerin, Radiererin, Kunstunternehmerin und Salonnière.

Angelika Kauffmann erhielt bereits im Kindesalter eine breite künstlerische und intellektuelle Ausbildung. Ihr Vater Joseph Johann Kauffmann, der als Porträt- und Freskenmaler am bischöflichen Hof in Chur beschäftigt war, förderte ihr malerisches Talent. Ihre Mutter Cleofea Luz (auch Lutz), Tochter einer Churer Hebamme, erzog sie viersprachig und unterrichtete sie in Klavier sowie Gesang. Kauffmann wuchs zunächst hauptsächlich in Morbegno im Veltlin auf und schuf mit neun Jahren erste Bildnisse in Pastell. Gleichermassen in Malerei und Gesang begabt, wurde sie im Veltlin und in den Drei Bünden, wo mit den Grafen von Salis wichtige Auftraggeber von Vater und Tochter regierten, sowie an den lombardischen Höfen und Adelshäusern und im Bodenseeraum als Wunderkind gefeiert. 1752-1754 lebte die Familie in Como. Ihre erste Ausbildungsreise durch Norditalien 1754-1757 führte Kauffmann an den Hof des Herzogs Francesco III. d'Este in Mailand, dessen Familienmitglieder sie unter anderen porträtierte. Nach dem Tod der Mutter 1757 fertigte sie 13 Fresken in der Schwarzenberger Kirche und betätigte sich weiterhin als Porträtmalerin. Während ihrer zweiten Ausbildungsreise durch Italien von ca. 1759 bis 1766 knüpfte sie Kontakte zu englischen, deutschen sowie italienischen Künstlerkollegen und Auftraggebern wie dem englischen Grand-Tour-Reisenden John Parker. Sie schuf erste grossformatige Ölgemälde mit mythologischen und historischen Szenen – das Fundament ihrer späteren Karriere als Historienmalerin –, studierte die Antiken, erlernte die Perspektivmalerei bei Giovanni Battista Piranesi, die Radierkunst bei Johann Friedrich Reiffenstein und besuchte das für Frauen eigentlich verbotene Aktstudium bei Pompeo Batoni. Ab Januar 1763 gelang ihr in Rom der Durchbruch als Künstlerin, unter anderem mit einem Bildnis des Archäologen und Kunsthistorikers Johann Joachim Winckelmann.

1766 zog Kauffmann nach England und eröffnete mit Hilfe der in Italien hergestellten Kontakte ein repräsentatives Atelier in London. Ihr Vater arbeitete nun als Assistent mit. 1767 vermählte sie sich mit Frederick de Horn, der sich als Heiratsschwindler entpuppte, weshalb die Ehe kurz darauf annulliert wurde. Mäzeninnen des englischen Hofes, darunter Königin Charlotte, förderten ihre Karriere und zahlreiche Adlige liessen sich von der Künstlerin porträtieren. 1768 berief der designierte Direktor, Joshua Reynolds, Kauffmann und die Schweizer Stilllebenmalerin Mary Moser als einzige Frauen zu Gründungsmitgliedern der Royal Academy of Arts, mit dem Ziel, eine nationale Schule der Malerei in England aufzubauen. Dank mechanical paintings und Reproduktionsgrafiken setzte ab den 1770er Jahren eine massenhafte Verbreitung ihrer Werke in Europa ein. Nach deren Vorlagen entstanden Wand-, Kamin- und Deckengemälde für Adelshäuser; führende Fabrikanten von Möbeln, Stoffen, Porzellan oder Wedgewood-Ware bedienten sich Kauffmanns Motive. Neben der Porträtmalerei erwiesen sich ausserdem ihre kleinformatigen Stimmungsbilder von Frauenfiguren aus Mythologie und Literatur als einträglich. Höhepunkt ihrer Karriere in England war der Auftrag 1780 für vier allegorische Deckengemälde in Somerset House der Royal Academy.

Im Alter von 39 Jahren heiratete Kauffmann am 14. Juli 1781 den venezianischen Vedutenmaler Antonio Zucchi und übersiedelte mit diesem und ihrem Vater nach Italien. Ab 1782, nach dem Tod des Vaters in Venedig, übernahm Zucchi die Assistenz und die Buchführung über Kauffmanns Aufträge einer internationalen Klientel aus dem Hochadel, darunter Kaiser Joseph II. oder Zarin Katharina II. Noch im gleichen Jahr folgte die Künstlerin einer Einladung der Königin Maria Karolina von Neapel; das Gruppenbildnis von deren Familie ist das grösste Porträt der Künstlerin. Ihr Atelier in Rom, wo sie sich nach ihrer Rückkehr endgültig niederliess, wurde bald ein Treffpunkt der geistigen Elite in Europa (Salon). Berühmte Dichterinnen traten hier auf und liessen sich von Kauffmann in dem von ihr dabei weiter entwickelten Typus des Attitüdenporträts malen. Johann Wolfgang von Goethe und Johann Gottfried Herder gehörten zu ihren Gästen. In Rom entstanden ihre wichtigsten Historiengemälde wie Cornelia, die Mutter der Gracchen. Später gewannen religiöse Themen an Bedeutung und 1791 erhielt sie von Papst Pius VI. den Auftrag für ein Altarbild in der Basilica della Santa Casa in Loreto. Noch vier Wochen vor ihrem Tod stellte sie einen letzten grossen Porträtauftrag fertig. Ihre Beisetzung in Rom gilt als die feierlichste seit dem Begräbnis des Raffael; eine von Johann Peter Kaufmann gefertigte Porträtbüste wurde 1809 neben jener von Raffael im Pantheon aufgestellt. Angelika Kauffmann, die keine Kinder hatte, hinterliess eine reiche Kunst- und Büchersammlung und eine wohltätige Stiftung in Vorarlberg. In ihrem Testament zeigte sie sich grosszügig gegenüber ihrer weit verzweigten Familie.

Kauffmanns Œuvre umfasst ca. 800 Ölgemälde, rund 400 Zeichnungen, 40 Radierungen, eine Freskoserie, einzelne Pastelle und Miniaturmalereien. Nach ihren Werken wurden mehr als 600 druckgrafische Reproduktionen und unzählige Kopien von fremder Hand, darunter auch Fälschungen, gefertigt, ein Indiz ihrer bis heute anhaltenden Popularität. Sie gehörte neben der Royal Academy vier weiteren Akademien an. Ihre Karriere und ihr finanzieller Erfolg als Künstlerin wurden bereits zu ihren Lebzeiten als Sensation empfunden. Spekulationen über ihr Privatleben inspirierten zu Dramen und Romanen, die aber den Blick auf ihre künstlerischen Verdienste als bedeutende Exponentin des Klassizismus in Europa eher verstellten. Wichtige Impulse setzte sie in der britischen Historienmalerei, indem sie als Erste Gemälde zur mittelalterlichen englischen Geschichte ausstellte. Mit ihren mythologisch und literarisch inspirierten Bildern im Tondoformat kreierte sie eine eigentliche Modeerscheinung, die auch zur Übersättigung führte. Im 19. Jahrhundert wurde nicht zuletzt deshalb ihre Kunst als «Pseudo-Klassizismus» abgewertet. Im Zuge der Frauen- und Geschlechterforschung, aber auch der Neubeurteilung des Klassizismus fand ihr Werk ab den 1960er Jahren wieder vermehrt Anerkennung. 2007 wurde ihr zu Ehren in Schwarzenberg, dem Herkunftsort ihres Vaters, ein Museum eröffnet. Ein kritisches Werkverzeichnis als Grundlage für weitere Forschung wird vom Angelika Kauffmann Research Project vorbereitet.