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Camillus

Die Camilli - vielleicht Nachfahren des Keltenführers, der an der Ermordung des Decimus Brutus 43 v.Chr. beteiligt war - spielten schon um die Mitte des 1. Jh. n.Chr. eine führende Rolle im Stamm der Helvetier. Der Einfluss des aristokrat. Clans, dessen Mitglieder auch nach Erhalt des röm. Bürgerrechts und der damit verbundenen Annahme eines röm. Namens ihren alten kelt. Namen als Beinamen weiter führten, überdauerte die Gründung der Kolonie Aventicum (ca. 72 n.Chr.), denn die Camilli hatten die wichtigsten Ämter der Kolonie inne und gehörten zur lokalen Oberschicht.

Der bedeutendste Angehörige des Geschlechts, der Ritter Caius Iulius C., hatte in der 4. makedon. Legion, die von 39 n.Chr. an in Mainz stationiert war, als Tribun gedient. Für den Britannienfeldzug wurde er von Ks. Claudius erneut aufgeboten, vielleicht mit Aufgaben in dessen persönl. Umfeld betraut und anschliessend dekoriert. C., der auch dem örtl. Kaiserkult vorstand, starb nach der Koloniegründung. Wahrscheinlich ein Zwillingsbruder war Decius Iulius Consors, der ebenfalls zeitweise den Kaiserkult leitete und daneben auch die Vereinigung der röm. Bürger Helvetiens präsidierte.

Aus derselben Generation stammte Caius Valerius C., dem durch die Ausrichtung eines Staatsbegräbnisses und die Aufstellung von Statuen grosse Ehren erwiesen wurden. Da sich auch die Civitas der Häduer an der Beisetzung beteiligte, hatte sein Einfluss offenbar über die Stammesgrenzen hinausgereicht. Ein weiterer Angehöriger dieses Zweiges, Decius Valerius C., wird auf einem in Pomy bei Yverdon-les-Bains gefundenen Altar genannt. Iulia Festilla, Tochter von Caius Iulius C. und Erbin von Caius Valerius C., war z.Z. der Flavier Kaiserpriesterin. Sie stiftete einen dem Apollo geweihten Altar in Baulmes und besass Güter in der Gegend um Yverdon, bei dessen Einwohnern sie in hohem Ansehen stand.

Auch Caius Flavius C. hatte sich Verdienste um die Bewohner Yverdons erworben. Er bekleidete das Duumvirat und das Amt des Kaiserpriesters in Aventicum. Der Stadtrat hatte ihn zum patronus, d.h. zum offiziellen Fürsprecher der Kolonie in Rom, gewählt und durch versch. Auszeichnungen geehrt. Er lebte im späten 1. (sicher nach 72) oder im frühen 2. Jh.

Quellen und Literatur

  • CIL XIII, 5054, 5063 f., 5093 f., 5110, 11478
  • G. Walser, Röm. Inschr. in der Schweiz 1, 1979
  • D. van Berchem, Les routes et l'histoire, 1982
  • R. Frei-Stolba, «Claude et les Helvètes», in BPA 38, 1996, 59-72