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Otacilius

Die Fam. der Otacilii ist vorwiegend in Aventicum überliefert. Mit Ausnahme jener Otacilia Iu[...], die in Yverdon Apollon einen Altar stiftete, sind die meisten auf Grabsteinen erwähnt. Von einer ganzen Gruppe fehlen aber Angaben zu Tätigkeit oder Sozialstatus. Dagegen war jener Marcus O., der seiner Frau Otacilia Faventina zu deren Lebzeiten einen Grabstein aufstellen liess, als Sevir Augustalis einer der reichen und angesehenen Freigelassenen, die zur gehobenen Schicht Aventicums zählten. Zur eigentl. Führungsschicht gehörte aber O. Seccius, Duumvir von Aventicum, der im Vicus Bern-Engehalbinsel einen Tempel errichten liess. Bedeutendster Zweig war der des Quintus O. Cerialis. Sein Sohn, Quintus O. Pollinus, wurde durch eine Ehreninschrift ausgezeichnet und gehörte zu den hervorragendsten Bürgern der Stadt. Als Interessenvertreter versch. Transportgesellschaften, wie jene der negotiatores cisalpini et transalpini oder der Rhone- und Saône-Schiffer, aber auch einer Vereinigung von Sklavenhändlern, war er ein Unternehmer mit weiträumigen Wirtschaftsverbindungen. In Aventicum hatte er alle polit. Ämter inne, zudem wirkte er als Delegierter der Helvetier am gall. Landtag, dem in Lyon der Kaiserkult oblag. Auch dort versah er ein Amt, nur ist die Tätigkeit eines inquisitor Galliarum nicht bekannt. Die weit gespannte Tätigkeit des Pollinus veranlasste Ks. Hadrian, ihn dreimal mit der Steuerimmunität zu privilegieren. Pollinus muss somit in der 1. Hälfte des 2. Jh. n.Chr. gewirkt haben. Aus diesem Zweig ist ein O. Sabinus bekannt, der ebenfalls geehrt worden ist. Der schlechte Zustand der Inschrift gestattet einzig die Vermutung, Sabinus sei ein um Aventicum verdienter Verwandter des Pollinus gewesen. Die ältere Hypothese, die Otacilii seien mit dem flav. Kaiserhaus verwandt gewesen, lässt sich kaum aufrechterhalten. Dagegen ist anzunehmen, dass es sich um eine aus Italien eingewanderte röm. Fam. handelt, die in Aventicum bald zur Führungsschicht gehörte.

Quellen und Literatur

  • H.E. Herzig, «Die Fam. der Otacilier in Aventicum», in Jb. des Bern. Hist. Museums 53/54, 1977, 35-41
  • R. Frei-Stolba, «Q. O. Pollinus», in Alte Gesch. und Wissenschaftsgesch., hg. von P. Kneissl, V. Losemann, 1988, 186-201