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Petronius

Träger des v.a. in Oberitalien (Mailand und Como) vorkommenden Gentilnamens P. sind im Tessin (Ligornetto) durch zwei Grabinschriften belegt; grossräumige Familienzusammenhänge lassen sich nicht rekonstruieren. Die erste, heute verschollene, aus dem 1.-3. Jh. nennt Caius P. Crescens, seine Gattin Pupa, die Söhne P. Exoratus und P. Aquila. Caius P. Crescens war Mitglied der lokalen Oberschicht, der durchschritt die munizipale Ämterlaufbahn bis zur Bürgermeisterwahl (gestorben vor Amtsantritt). Die Ämtertitel IVvir a(edilicia) p(otestate) (Mitglied der Viermänner mit der Befugnis eines Aedilen für Polizei- und Verwaltungsaufgaben) und IVvir i(ure) d(icundo) (Mitglied der Viermänner für die Rechtssprechung) sprechen für Como, das von vier Beamten mit speziellen Aufgabenkreisen verwaltet wurde. Mit Caius P. Crescens evtl. identisch ist P. Crescens, von dem eine Weihinschrift an Jupiter erhalten ist. Auch Caius P. Gemellus mit Gattin Viria Lucii filia Lucilia und Bruder P. Martialis sowie seine Eltern Caius P. Primigenius und Sammonia Caii filia Lutulla gehörten im 1. Jh. zu dieser Fam.; die Inschrift ist in Castiglione-Olona bei Varese aufbewahrt. Der Sevir Caius P. Gemellus - dieses Amt ist hier als städtisches zu verstehen und zu unterscheiden von den für den Kaiserkult zuständigen Sevirn - und seine Gattin Viria gehörten zur lokalen Oberschicht. Die Virii sind in Mailand und Como belegt; Caius Virius Verus auf der Inschrift in Stabio. Er absolvierte die Ämterlaufbahn in Mailand und wies einen unbekannten Verwandtschaftsgrad zu Viria auf. Die Petronii werden bei Ligornetto ein Gut besessen haben.

Quellen und Literatur

  • CIL 5, 5250, 5443-5445
  • G. Walser, Röm. Inschr. in der Schweiz 3, 1980, 106-109
  • A. Abramenko, Die munizipale Mittelschicht im kaiserzeitl. Italien, 1993