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Typhus

Die beiden Infektionskrankheiten Flecktyphus (Typhus exanthemicus), auch Fleckfieber genannt, und Bauchtyphus (Typhus abdominalis), kurz auch Typhus genannt, wurden in der Vergangenheit oft verwechselt. Gemeinsames Symptom beider Krankheiten, die einen ähnlichen Verlauf zeigen und unbehandelt zum Tod führen können, ist der Schwindel (griechisch typhos).

Flecktyphus wird durch Bakterien der Gattung Rickettsia prowazekii verursacht, die durch Kleiderläuse übertragen werden. Die Krankheit befällt vor allem Personen, die auf engem Raum unter schlechten hygienischen Bedingungen zusammenleben. Vermutlich gab es in der Schweiz in der frühen Neuzeit mehrere Epidemien. Während Napoleons Russlandfeldzug 1812 starben über 90% der Soldaten, davon vermutlich ein grosser Teil an Flecktyphus. Die Erkrankungen in Europa nahmen ab, als sich die hygienischen Bedingungen verbesserten (Hygiene).

Im Kampf gegen den Typhus. Schweizer Filmwochenschau, Ausgabe Nr. 1060 vom 5. April 1963 (Schweizerisches Bundesarchiv, J2.143#1996/386#1060-1#1*) © Cinémathèque suisse, Lausanne und Schweizerisches Bundesarchiv, Bern.
Im Kampf gegen den Typhus. Schweizer Filmwochenschau, Ausgabe Nr. 1060 vom 5. April 1963 (Schweizerisches Bundesarchiv, J2.143#1996/386#1060-1#1*) © Cinémathèque suisse, Lausanne und Schweizerisches Bundesarchiv, Bern. […]

Bauchtyphus wird durch Salmonellen (Salmonella typhi und Salmonella paratyphi) hervorgerufen und äussert sich meist durch Durchfall. Die Übertragung erfolgt vor allem durch verunreinigtes Wasser bzw. verunreinigte Nahrungsmittel. Weder eine frühe Erkrankung noch die Impfung führen zu bleibender Immunität. 2-5% der Erkrankten sind Dauerausscheider. Trotz methodischer Schwierigkeiten bei der retrospektiven Diagnostik lassen sich einige Entwicklungen ablesen: Bis um 1905 unterlag die Zahl der Typhusfälle erheblichen Schwankungen, danach verringerte sie sich kontinuierlich. Während des Zweiten Weltkriegs erlebte die Schweiz nochmals viele Typhusfälle. 1947 wurde mit Chloramphenicol ein wirksames Antibiotikum gegen Typhus entwickelt, das aber früh zu Resistenzen führte. 1963 forderte eine Epidemie in Zermatt drei Todesopfer, mehrere hundert Personen mussten hospitalisiert werden, und das Image der sauberen Schweiz litt nachhaltig. Letztmals starb in der Schweiz 1987 eine Person an Typhus. Die Erkrankungsrate lag 2008 unter einem Fall auf 100'000 Personen. Gemäss Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation erkranken weltweit jährlich über 17 Mio. Menschen an Typhus, von denen ca. 600'000 sterben.

Quellen und Literatur

  • Lindemann, Ulrich: Die Geschichte der Krankheitsbezeichnung «Typhus» und der Wandel der Typhuslehre im 19. Jahrhundert in Deutschland, 1986.
  • Ritzmann-Blickenstorfer, Heiner (Hg.): Historische Statistik der Schweiz, 1996.
  • Vouilloz Burnier, Marie-France: 1963, Typhus in Zermatt. Eine regionale Epidemie mit internationalen Folgen, 2010.

Zitiervorschlag

Ritzmann, Iris: "Typhus", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 04.01.2021. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/022718/2021-01-04/, konsultiert am 18.01.2021.