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SchlatterSG

Fam. der Stadt St. Gallen, deren ursprüngl. Herkunft unbekannt ist. Als erster in St. Gallen nachgewiesener S. erscheint Starch-Hans ab 1446 in den Steuerbüchern. Vom 15. bis ins 18. Jh. gehörten die S. grösstenteils der einflussreichen Weberzunft an und waren zuerst als Bleichermeister, dann als Weber oft im Leinwandgewerbe tätig. Obwohl sie vom 15. Jh. bis 1798 als Zunftmeister oder Elfer mehrfach in den Räten sassen und zwei Unterbürgermeister stellten, stiegen sie nie in die höchsten Ämter der Stadtrepublik auf. Seit dem 18. Jh. gingen die Familienmitglieder zunehmend versch. Berufen nach, wobei sich viele als Kaufleute, u.a. in Italien, betätigten. Im 19. und frühen 20. Jh. gewannen mehrere S. in der Theologie, v.a. aber in der prakt. Volksfrömmigkeit und im Missionswesen erhebl. Einfluss wie Adolf (->), Anna (->), Daniel (->), Stephan (->) und Wilhelm (->). Die Nähe zum Pietismus bzw. zum positiven (orthodoxen) Protestantismus war in der Fam. als Reaktion auf die rationalistisch und später mehrheitlich liberal geprägte offizielle ref. Kirche der Stadt verbreitet. Verdient machten sich die S. im 19. und 20. Jh. zudem im Bauwesen. Nach der Übernahme des grossen Zimmereigeschäfts Wartmann durch Kaspar Theodor (1830-1911) erbaute dessen Sohn Hektor (1863-1931) in den 1920er Jahren stilistisch im Sinne seines Bruders Salomon (->) innovative, an die Ostschweizer Holzbautradition anknüpfende Häuser am östl. Rosenberg in St. Gallen, die trotz der damaligen Stickereikrise erschwingl. Eigenheime darstellten. Theodor (1847-1918) arbeitete als St. Galler Gemeinderat an der Verbesserung der im 19. Jh. desolaten Wasserversorgung der Stadt mit. Zur Erhaltung des Vermögens bzw. zur Unterstützung von Familienmitgliedern stifteten Paulus (1675-1762) ein Fideikommiss und Caspar (1700-61) ein Familienlegat.

Quellen und Literatur

  • D.W. Hartmann, Zur Gesch. der stadt-st.gall. Bürgergeschlechter, Ms., o.J. (KBSG)