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Schobinger

Kaufmanns- und Notabelnfamilie aus St. Gallen. Sie schrieb sich im 16. Jh. durchwegs Schowinger, ab dem 17. Jh. S. 1531 und 1560 erhielt sie kaiserl. Wappenbriefe und 1623 einen Adelsbrief von Ks. Ferdinand II. Die Fam. stammt ursprünglich aus Wil (SG). Hans, der Stammvater aller S. von Wil, München und St. Gallen, starb 1403. Sein Sohn Hans der Jüngere (um 1397-1466) war 1444 Gesandter an die eidg. Tagsatzung in Baden sowie 1435-66 mehrfach Schultheiss, ebenso dessen Enkel Claus und Bernhart. Deren Bruder Hans (1449-1521) war 1490 fürstäbt. Hauptmann und 1496-1519 fürstäbt. Obervogt des Oberbergeramts. Er wurde 1520 Bürger von St. Gallen und begründete die reformierte städt. Linie. Ihren raschen Aufstieg in St. Gallen und ihr bedeutendes Vermögen verdankte die Fam. hauptsächlich dem Eisenhandel und dem (Fern-)Handel mit St. Galler Leinwand. Neben Kaufleuten wie Bartholome (->) brachte das Geschlecht den Humanisten Bartholome (1566-1604) und weitere Gelehrte hervor, insbesondere in den Bereichen Naturwissenschaft, Mathematik und Medizin. Die S. erwarben mehrere repräsentative Landsitze, u.a. die Schlösser Horn am Bodensee, Weinstein im Rheintal oder Heerbrugg. Zahlreiche Familienmitglieder stifteten ihre Büchersammlungen der St. Galler Stadtbibliothek Vadiana. Die S. gehörten der Notenstein-Gesellschaft an und stellten 1567-1798 12% der Mitglieder dieser vornehmen Gruppe reicher Kaufleute. Von der Mitte des 16. bis ins 18. Jh. bekleideten die S. polit. Ämter der Stadt, so Sebastian (->). Die kath. Wiler Linie starb 1738 aus, die von 1522 an in München bestehende Linie erlosch 1776. Mit dem Fotografen Kaspar Traugott (1861-1939) starb der letzte männl. Nachkomme der St. Galler Linie. Die Luzerner S., 1576 eingebürgert, stammen aus Weinfelden.

Quellen und Literatur

  • Schweiz. Geschlechterbuch 3, 401-404
  • V. Schobinger, F. Mock, Gesch. der Schowinger, 10 H., 1968-2006
  • V. Schobinger, Quellenslg. zur Gesch. der Schowinger 1173-1600, 1973-
  • H.-P. Höhener, Bevölkerung und Vermögensstruktur der Stadt St. Gallen im 16. und 17. Jh., 1974, 278-292
  • V. Schobinger, «Schowinger-Stämme», in JbSGF, 2004, 37-56
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