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Vigier von Steinbrugg

Solothurner Patriziergeschlecht. Jakob (1592), Herr von Escanals (Auvergne), kam 1543 als Übersetzer des franz. Ambassadors nach Solothurn. Bis 1791 hatte ständig mindestens ein Angehöriger der Fam. das Amt eines Dolmetschers der Ambassade inne. Junker Johann (1639), Jakobs Sohn, ehelichte eine Tochter von Balthasar von Grissach, wurde 1611 Bürger von Solothurn und gelangte 1615 in den Gr. Rat. Sein Sohn Jakob (1597-1660) rückte 1657 zum Jungrat auf. Die Regimentsfähigkeit der Fam. wurde jedoch wegen ihrer Tätigkeit für die franz. Krone in der 2. Hälfte des 17. Jh. wiederholt infrage gestellt. Die V. sassen bis 1795 - v.a. als Repräsentanten der Wirtezunft - im Gr. und meistens auch im Kl. Rat, doch ein hohes Staatsamt bekleideten sie im Ancien Régime nie. Erfolgreich waren sie, u.a. mit Franz Joseph Wilhelm (->) und Joseph Robert Wilhelm (->), als Militärunternehmer. 1672-1740 unterhielten sie eine (Halb-)Kompanie der franz. Schweizergarde, 1740-56 und 1783-92 ein Linienregiment im franz. Dienst. 1675 heiratete Johann Friedrich (1639-1711) eine Tochter des Schultheissen Hans Wilhelm von Steinbrugg, die ein bis 1866 bestehendes Fideikommiss sowie den Namenszusatz von Steinbrugg in die Fam. einbrachte. Die V. besassen zahlreiche Güter, darunter den Landsitz Wilihof in Deitingen und den Vigier-Berg bei Welschenrohr. Urs (1788-1845), der Begründer der jüngeren Linie, und seine Nachkommen standen auf der Seite der Liberalen bzw. der Freisinnigen. 1814-1908 sass stets mindestens ein Vertreter der Fam. im Gr. Rat bzw. im Kantonsrat. 1822-86 gehörten nacheinander drei V. der Kantonsregierung an. Auf eidg. Ebene stellte die Fam. mit Joseph Wilhelm Viktor (->) einen Ständerat und Bundesrichter, mit Wilhelm (->) einen Nationalrat und mit Viktor (1816-90) einen Generalstabsoffizier. Nachdem sich bereits im 19. Jh. mehrere Familienmitglieder als Bankiers oder, wie Robert (->), als Fabrikanten betätigt hatten, wechselten die V. im 20. Jh. in die Wirtschaft und wurden Industrielle wie William Alphonse (->) oder Kaufleute, sofern sie nicht akadem. Berufe ergriffen. Mit Walter (->) und seinem gleichnamigen Sohn (1883-1950) brachte das Geschlecht auch zwei Künstler hervor.

Quellen und Literatur

  • StASO, Akten
  • F. Gressly, U. Scheidegger, 500 Jahre Vigier in Solothurn, 2010
  • G. Poisson, «Le rôle des secrétaires-interprètes de l'ambassadeur de France à Soleure dans la seconde moitié du XVIIe siècle», in Le diplomate en question (XVe-XVIIIe siècles), hg. von E. Pibiri, G. Poisson, 2010, 137-154