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Wallier

Neuenburg., später solothurn. Geschlecht, das seit dem Beginn des 14. Jh. nachgewiesen und in Le Landeron eingebürgert ist. Die Vallier übten dort versch. städtische Ämter aus. 1498 erbte Jacques die Güter des Jean de Cressier in Cressier, wohin die Fam. nun ihren Wohnsitz verlegte. Die Gf. von Neuenburg machten sie zu ihren Vertrauten: Jacques' älterer Sohn Pierre (->) wurde Mitglied des Staatsrats, Pierres gleichnamiger Sohn (->) und der Enkel Jacob (->) bekleideten das Gouverneursamt. Andere Mitglieder der Fam. waren inzwischen in das mit Neuenburg verburgrechtete Solothurn gezogen, wo der Solddienst Gewinn versprach. 1521 wurde Hans, Jacques' jüngerer Sohn, Solothurner Bürger und bald darauf Ratsherr. Seine Nachkommen schrieben sich nun W. und bildeten den Zweig der W. von Wendelsdorf, nach dem 1650 erworbenen Gut Vendlincourt in der Ajoie. Später nahmen auch die Nachfahren des Pierre Wohnsitz in Solothurn, ohne indessen ihre neuenburg. Bindungen aufzugeben. Sie nannten sich nach der 1606 gekauften Herrschaft Saint-Aubin (FR) W. von St. Albin. Von François (->) zweigte eine Freiburger Seitenlinie ab.

In Solothurn gehörten die W. als Junker zum engsten Führungskreis des Patriziats. Sie dienten als Offiziere in Frankreich, verwalteten viele Vogteien und gelangten regelmässig in die Räte. Die stark angewachsene Fam. besetzte im 18. Jh. mit 19 Vertretern nach den Sury am zweitmeisten Sitze im Kl. Rat. 1641 erlangte Hieronymus (->) als Erster das höchste Amt des Standes; mit Viktor Josef Balthasar (->) stellten die W. den letzten Schultheissen des alten Solothurn. Mehrere Ordensfrauen der Fam. waren Klostervorsteherinnen: In Solothurn leiteten Marie-Hélène (1651-1711) und Barbara (1640-1718) die Klöster Visitation und St. Josef; in Freiburg führten Mechthilde (1633-1705) und Jeanne-Baptiste (1664-1743) das von Jacques gestiftete Kloster Montorge. Mit dem Gerichtspräsidenten Ludwig erlosch 1855 der Zweig von St. Albin; 1887 starb Rudolf, Jurist und letzter Spross der Linie der W. von Wendelsdorf. Damit fiel das 1660 gestiftete Fideikommiss mit dem Wallierhof in Riedholz an den Kt. Solothurn.

Quellen und Literatur

  • AEN
  • StAFR
  • StASO
  • O. Clottu, «Chronique neuchâteloise des familles de Cressier et Vallier», in Der Schweizer Familienforscher 10, 1943, 88-98
  • H. Sigrist, «Die Gesch. des Wallierhofes», in 50 Jahre Haushaltungsschule des Kt. Solothurn, 1971, 13-31
  • SolGesch. 2-3
  • HS IV/6, 374 f.; V/1, 696; V/2, 1043 f.