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JakobHerzog

Porträt des Mitbegründers der Kommunistischen Partei der Schweiz. Fotografie, 1922 (Schweizerisches Sozialarchiv, Zürich, F 5008-Fa-016).
Porträt des Mitbegründers der Kommunistischen Partei der Schweiz. Fotografie, 1922 (Schweizerisches Sozialarchiv, Zürich, F 5008-Fa-016).

27.7.1892 Luzern, 26.7.1931 Zürich, kath., später konfessionslos, von Beromünster. Sohn des Johann Jakob, Kleinlandwirts und Bahnarbeiters, und der Karolina geb. Deutsch, Köchin, von Tägerwilen. 1924 Karolina Ennemoser, Tochter der Rudolfina, von Beatenberg. Teils in kath. Anstalten aufgewachsen. Abgebrochene Schreinerlehre, Wanderjahre in Westeuropa, 1912-16 mit Unterbrechungen in Basel, dort 1912 Eintritt in die Sozialdemokrat. Jugendorganisation (SJO), ab 1913 Agitationsleiter und Vizepräsident, ab 1916 in Zürich im Zentralvorstand der SJO und Redaktor der "Freien Jugend". Kontakte zu Lenin und Fritz Brupbacher. Nach Konflikten im Vorstand der SJO gründete H. im Herbst 1917 die Gruppe "Forderung" mit, aus der im Frühjahr 1919 die sog. Altkommunisten hervorgingen. Die Gruppe vertrat antiautoritäre und anarchosyndikalist. Positionen, die sie in Vorträgen, Zeitungen ("Die Forderung", "Der Kommunist") und Broschüren propagierte und in Erwartung der bevorstehenden Revolution in Aktionen durchzusetzen suchte (u.a. Beteiligung an Demonstrationen, Gründung von Arbeiterräten und sozialist. Soldatenorganisationen, Aufrufe zur Meuterei). H. sass wegen seiner polit. Tätigkeit wiederholt in Haft. 1920 vertrat er die Altkommunisten auf dem zweiten Kongress der Komintern in Moskau. Er war 1921 Mitbegründer der Kommunist. Partei der Schweiz, Mitglied der Zentrale und 1927-30 des Zentralkomitees. Er leitete die kommunist. Fraktion im Bau- und Holzarbeiterverband, der ihn ausschloss. Ab 1927 baute er eine Arbeiterschutzwehr und ab 1928 die Rote Gewerkschaftsopposition auf. Infolge eines Fahrradunfalls starb er 1931. Der mitreissende Redner "Joggi" H. verkörperte die linksradikale Strömung in der Krise im und nach dem 1. Weltkrieg. Obwohl diese nur am Rand gestanden hatte, wurde er Teil des kollektiven Gedächtnisses der Bewegung.

Quellen und Literatur

  • Nachlass in der Handschriftenabteilung der ZBZ
  • H.U. Jost, Linksradikalismus in der dt. Schweiz 1914-1918, 1973
  • H.U. Jost, Die Altkommunisten, 1977
  • P. Stettler, Die Kommunist. Partei der Schweiz (1921-1931), 1980
  • Vorwärts, 6.8.1987
  • B. Studer, Un parti sous influence, 1994
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Kurzinformationen
Lebensdaten ∗︎ 27.7.1892 ✝︎ 26.7.1931