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Lusser

Ältestes, noch bestehendes Urner Geschlecht, dessen Name erstmals 1257 in Zusammenhang mit der Izzeli-Gruoba-Fehde erscheint. Die L. waren in Erstfeld, Schattdorf und Altdorf eingebürgert und verfügten über bedeutenden Grundbesitz v.a. in Altdorf und im Schächental. Als erster bedeutender Politiker gilt Werner (1491), der Landesfähnrich und 1466-67 Landvogt im Thurgau war. Er besorgte für die achtörtige Eidgenossenschaft wichtige Gesandtschaften im In- und Ausland, u.a. nach Paris und an den Hof des Hzg. von Mailand. Alle heute in Uri existierenden Linien der L. gehen auf ihn zurück. Mit Jakob (1580-1651) und dessen gleichnamigem Sohn (1635 bzw. 1653 Landessäckelmeister) sowie mit Johann Martin (1648-90; 1689 Landesfähnrich) und Karl Balthasar (1677-1727; 1715-19 Landessäckelmeister) gelangten im 17. und 18. Jh. mehrere Mitglieder der Altdorfer Linie in hohe Ämter. Eine wichtige Rolle spielte dabei das Wechselverhältnis von Politik und fremden Kriegsdiensten. Einige Altdorfer L. übten den Apotheker- oder Arztberuf aus (u.a. Karl Franz ->). Zahlreiche L. waren als Ratsmitglieder oder Landvögte politisch aktiv, andere standen als Konventuale oder Priester im Dienst der kath. Kirche. Im frühen 19. Jh stiegen die L. in den Kreis der politisch und kulturell führenden Fam. des Kt. Uri auf. Zwischen 1803 und 1950 stellte die Altdorfer Linie vier Landammänner (->, ->, ->, ->), vier Regierungsräte (->, ->, ->, ->), einige Ratsherren, drei Landschreiber und zahlreiche hohe Landesbeamte in Justiz und Verwaltung (z.B. Florian, ->). Auf eidg. Ebene wirkten in der erw. Periode drei Altdorfer L. als Ständeräte (->, ->, ->) und zwei als Nationalräte (->, ->). Die Politiker der Magistratenfamilie gehörten fast durchwegs der konservativen Richtung an, einzig Josef (->) vertrat liberale Positionen. Mit Letzterem und mit Karl Borromäus (->) stellten die L. im 19. Jh. auch Pioniere des Zeitungswesens. Karl Florian (->) und Karl Franz (->) verfassten wichtige landeskundl. und hist. Schriften. Im 20. Jh. war die Fam. mit Franz Vital (->), Florian (->) und Armin Oskar (->) im Ingenieurwesen und mit Markus (->) im Bankbereich prominent vertreten. Ein Zweig der L. zog nach Zug und gelangte dort in wichtige Ämter.

Quellen und Literatur

  • StAUR, FamA
  • Schweiz. Geschlechterbuch 4, 332-339
  • A.O. Lusser, «Entstehung und Bedeutung des urschweiz. Familiennamens L.», in Archiv für Schweiz. Familienkunde 2, 1945, 1-20
  • U. Kälin, Die Urner Magistratenfam., 1991

Zitiervorschlag

Kälin, Urs: "Lusser", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 02.07.2008. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/023406/2008-07-02/, konsultiert am 25.10.2020.