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MüllerUR

Magistraten- und Unternehmerfam. von Hospental und Altdorf (UR). Die M., genannt Schmidigen, gehörten ab dem späten 16. Jh. zur lokalen Oberschicht der Talschaft Urseren. Sie waren im Wein- und Kristallhandel sowie im Solddienst tätig und amtierten als Talammänner. Die Landammännerdynastie geht zurück auf die Brüder Jakob Anton (1697-1749), der Maria Viktoria von Roll (->) heiratete, und Karl Franz (1698-1761). Sie erwarben in span. und neapolitan. Solddiensten ein grosses Vermögen. 1738 erlangten sie gegen Bezahlung eines hohen Geldbetrages das Urner Landrecht. Es folgte ein rascher sozialer und polit. Aufstieg, bereits ihre Söhne gelangten in jungen Jahren in die Vorsitzenden Ämter. Zwischen 1770 und 1892 stellten die M. neun Landammänner und waren die wichtigsten Gegenspieler der franzosenfreundl. Familie Schmid. Wirtschaftlich spielte neben dem fremden Kriegsdienst auch der Salzhandel, die Seidenindustrie, das Bankwesen und das Speditionsgewerbe eine Rolle. Landammann Josef Antons (->) Söhne Josef Anton (->) und Karl Martin (1775-1815) gründeten 1802 in Luzern ein Verlagshaus für Florettseide, das 1812 unter grossem Aufsehen in Konkurs ging. Landammann Karl Martin (->) kaufte 1800 die Ziegelhütte in Flüelen. Seine Nachkommen betrieben die grösste Urner Speditionsfirma, die Gebr. Müller & Co. Mit Landammann Karl Emanuel (->) stellten die M. auch den ersten industriellen Unternehmer im Kt. Uri. Der Jurist Alban (1861-1929) war erster Verwaltungsratspräsident des Elektrizitätswerks Altdorf, sein Sohn Iso (->) Disentiser Pater und Historiker. Alois (->) begründete die Hoteliersdynastie (u.a. Bellevue und Alpenhof in Andermatt, Furka und Furkablick). Sein Sohn Adolfo (->) war Kunstmaler.

Quellen und Literatur

  • GemA Hospental, FamA
  • StAUR, FamA
  • Schweiz. Geschlechterbuch 1, 326-336
  • U. Kälin, Die Urner Magistratenfam., 1991
  • H. Gasser, H. Stadler-Planzer, Das Haus im Eselmätteli Altdorf, Kt. Uri, 1998
  • H. Stadler-Planzer, Karl Emanuel M., 1999

Zitiervorschlag

Urs Kälin: "Müller (UR)", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 19.11.2009. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/023409/2009-11-19/, konsultiert am 28.01.2023.