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Leuw

Führendes Nidwaldner Landleutegeschlecht des 16. bis 18. Jh., das auch Leu oder Löuw genannt wurde. Der bereits im 14. Jh. erw. Geschlechtsname drohte um 1500 auszusterben. Er blieb erhalten, weil die Sprösslinge aus der Ehe von Margaretha L. und Hans Z'Rotz den Mutternamen fortführten. So wurde Peter Z'Rotz, der auf dem Stammsitz Leuwengrube in Ennetmoos sass, Löw genannt. Sein Sohn Simon erscheint 1575 als Ratsherr und Kirchmeier von Stans. Die Blüte der Fam. beginnt mit Simons Sohn Nikolaus (->). Dieser erhielt 1575 zuerst das bescheidene Landweibelamt, wurde auf einer Mission zu Papst Gregor XIII. 1579 zum Ritter geschlagen und stieg dann bis zum Landammann auf. Gleichzeitig gelang es ihm, als Hauptmann in fremden Diensten ein beträchtl. Vermögen anzuhäufen. Seine Söhne Johann (->) und Kaspar (->) absolvierten bereits eine für Nidwaldner Patrizier typ. Karriere: Sie folgten dem Vater als Hauptleute im Solddienst und im höchsten Landesamt Nidwaldens nach. V.a. Kaspar gelang es, sich durch seine Ehen mit den führenden Nidwaldner Fam. Lussi und Zelger und mit der Obwaldner Magistratenfamilie Imfeld zu verbinden. Auch Johann heiratete eine Tochter des Obwaldner Landammanns Melchior Imfeld. Zu Beginn des 17. Jh. hatten die L. bereits umfangreichen Liegenschaftsbesitz erworben. Den Zuwachs an Finanzkraft und polit. Macht dokumentierten sie mit dem Bau von repräsentativen Häusern in Stans (z.B. dem Leuw'schen Steinhaus an der Nägeligasse, zerstört 1798) und durch ihre Unterstützung bei der Gründung des Frauenklosters St. Klara 1618.

Kaspars Sohn Johann Melchior (->), der zusammen mit seinem Vater den Neubau der Stanser Pfarrkirche St. Peter und Paul (1641-47) betrieb, setzte das kulturelle Engagement der Fam. als Chronist und Genealoge fort. Noch zu seiner Regierungszeit als Landammann rückte sein Bruder Johann Jakob als Bauherr und Landesstatthalter in die Reihe der Vorgesetzten Herren (Kl. Rat) vor. Die eher kurze Lebensspanne von Landessäckelmeister Daniel, einem Sohn des Zeugherrn Johann Franz, versagte der vierten, regierenden Generation den Zugriff auf das höchste Landesamt. Es wurde von Daniels Schwiegersöhnen Johann Franz Achermann und Melchior Dillier besetzt. Mit Landammann Beat Jakob (->) und Obervogt Franz Daniel erreichte die Familienmacht, unterstützt von den Schwägern Landammann Johann Melchior Remigi Lussi und Landammann Sebastian Remigi Keyser, im 1. Viertel des 18. Jh. ihren letzten Höhepunkt. Danach verlagerten sich die Kräfte vorwiegend auf die Goldschmiedekunst, die als Familientradition bis ins 20. Jh. erfolgreich gepflegt wurde. Die Fam. ist 1970 ausgestorben.

Quellen und Literatur

  • A. Odermatt, Die Geschlechtsnamen in Nidwalden mit geschichtl. Vorbemerkungen, 1869, (KBNW)
  • Schweiz. Geschlechterbuch 10, 128-148
  • Kdm Unterwalden, 21971
  • P. Steiner, Bauen auf hist. Grund, 1999, 10-18, (KBNW)