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GiuseppeMazzini

Porträt von Giuseppe Mazzini. Fotografie, um 1865 (Privatsammlung; Fotografie Bibliothèque de Genève, Archives A. & G. Zimmermann).
Porträt von Giuseppe Mazzini. Fotografie, um 1865 (Privatsammlung; Fotografie Bibliothèque de Genève, Archives A. & G. Zimmermann).

22.6.1805 Genua, 10.3.1872 Pisa. Sohn des Giacomo Mazzini, Arztes und Universitätsprofessors, und der Maria geborene Drago. Giuseppe Mazzini studierte in Genua Jurisprudenz und promovierte 1827. Nach seiner Verhaftung als Mitglied des Geheimbunds Carboneria ging er schon 1831 ins Exil. Als führende Figur des Risorgimento verbrachte er den grössten Teil seines Lebens im Ausland, davon insgesamt rund ein Jahrzehnt in der Schweiz, unter anderem 1835-1836 in Grenchen und nach 1848 immer wieder im Tessin, deren liberal-radikale Führungsschicht (u.a. Carlo Battaglini, Stefano Franscini, Giacomo Luvini-Perseghini) er schon vorher stark beeinflusst hatte. 1854 hielt sich Mazzini zwei Monate in Küsnacht (ZH) auf, von wo er im September mit einem offenen Brief an den Bundesrat gegen die Behandlung der politischen Flüchtlinge protestierte und sich in eine Polemik mit James Fazy verstrickte. Mit seinen von der Schweiz aus geplanten revolutionären Unternehmungen wie dem gescheiterten Savoyerzug im Februar 1834, den norditalienischen Expeditionen wie jener ins Val d'Intelvi von Ende Oktober 1848 und vor allem dem vom österreichischen Generalfeldmarschall Radetzky blutig niedergeschlagenen Umsturzversuch vom Februar 1853 in Mailand verwickelte er die Schweiz immer wieder in diplomatische Schwierigkeiten mit den konservativen Mächten: So etwa nach dem Savoyerzug, als Mazzini vom Kanton Solothurn und der Gemeinde Grenchen geschützt wurde, oder nach 1848, als die österreichische Wirtschaftsblockade zu verheerenden wirtschaftlichen Konsequenzen für den Kanton Tessin führte, und nochmas im Frühjahr 1869, als es nach einer republikanischen Verschwörung in Mailand zu diplomatischen Verstimmungen mit dem neuen Königreich Italien und zur letzten Ausweisung Mazzinis aus Lugano kam. Andererseits übte Mazzini mit den von ihm nach dem Vorbild der Bewegung Junges Italien (1831) gegründeten Vereinigungen – der 1834 entstandenen Bewegung Junges Europa und der Bewegung Junge Schweiz von 1835 – starken Einfluss auf Revolutionäre in Europa und in der Schweiz aus. Publizistisch wirkte er mit seiner 1835-1836 in Biel gedruckten Zeitung La Jeune Suisse oder mit der 1849-1851 in Lausanne bei Stanislao Bonamici erschienenen L'Italia del popolo. An der Schweiz schätzte Mazzini die freiheitlich-republikanische Ordnung (so begrüsste er von London aus im Dezember 1847 den Sieg der Liberal-Radikalen über den Sonderbund), lehnte aber sowohl den Föderalismus wie die Neutralität ab.

Quellen und Literatur

  • Scritti editi ed inediti, 1906-1943
  • A. Cattani, Die Schweiz im politischen Denken Mazzinis, 1951
  • L. Monnier, «Mazzini et la Suisse», in Mazzini e il mazzinianesimo, 1974, 85-107
  • G. Martinola, Gli esuli italiani nel Ticino, 2 Bde., 1980-1994
  • C. Moos, «Cattaneo contro Mazzini 1850-1851», in Il Risorgimento, 1993, Nr. 1, 97-115
  • G. BettoneMazzini e la Svizzera, 1995 (mit Verzeichnis der in der Schweiz publizierten Artikel)
  • Dizionario Biografico degli Italiani 72, 2008, 584-602
Weblinks
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Kurzinformationen
Lebensdaten ∗︎ 22.6.1805 ✝︎ 10.3.1872

Zitiervorschlag

Moos, Carlo: "Mazzini, Giuseppe", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 27.08.2020. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/024168/2020-08-27/, konsultiert am 27.09.2020.