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UlrichWille

12.10.1877 Thun, 14.2.1959 Meilen, reformiert, von La Sagne, Zürich und Meilen. Sohn des Ulrich (->). 1) Inez Rieter, Tochter des Fritz Rieter, 2) Klara Bachmann, Tochter des Christian, Polizeiwachtmeisters. Schwager des Fritz Rieter. 1890-1894 Gymnasium in Zürich und Bern, anschliessend Rechtsstudium in Genf, Berlin und Leipzig. 1901 Dr. iur. und Eintritt ins Instruktionskorps, 1908 Generalstabsoffizier, 1910 Major und Kommandant des Schützenbataillons 6, 1922 Oberst, 1923-1928 Kommandant der Zentralschulen, 1928-1931 Kommandant der 5. Division, 1931-1933 sowie 1936-1940 Waffenchef der Infanterie, 1933-1935 Kommandant des 2. Armeekorps, 1941-1942 Ausbildungschef der Armee. 1912 Gründungspräsident der Pro Juventute.

Ulrich Wille schwebte eine soldatisch erzogene Schweiz der Wehrmänner und Mütter vor. In der Zwischenkriegszeit etablierte er sich als Kommandant der Zentralschulen und mit der taktischen Vorschrift «Felddienst 27» (1927) in der geistigen Nachfolge seines Vaters als führender Instruktionsoffizier. Er unterhielt ab 1918 Verbindungen zu deutschnationalen Politikern und nach dem Besuch Adolf Hitlers in Zürich 1923 zur nationalsozialistischen Spitze (Rudolf Hess); nach Kriegsausbruch führte er eine deutschfreundliche Offiziersgruppe an. 1940-1941 erwog Wille aus primär militärfachlichen Gründen, mittels einer Demobilisierung und Wiedereinberufung der Armee mit Neuwahl des Generals den Platz von General Henri Guisan einzunehmen. Im Sommer 1940 war Wille ein Protagonist der militärischen Kriegführung im Réduit, aber ein Gegner der Landesverteidigung ab der Grenze. Später widersetzte er sich Guisan, der ihn 1942 aus der Armee entfernte. 1943 hielt der Chef des SS-Hauptamts Wille für zu alt und zu eidgenössisch für politische Führungsaufgaben im Dienste des nationalsozialistischen Deutschlands in der Schweiz.

Wille gehörte zu einer kleinen, einflussreichen Gruppe von Instruktions- und Milizoffizieren, die sich ab 1900 und über die nationalsozialistischen Machtergreifung hinaus an einer konservativen deutschen Geisteskultur und am preussisch-deutschen Militär orientierte. In diesem Kontext setzte er die vielfältigen Beziehungen seiner Familie zur militärischen und politischen Elite Deutschlands fort.

Quellen und Literatur

  • PrivA Mariafeld, Meilen
  • ASMZ 125, 1959, H. 3, 157-161; H. 4, 238-244
  • RMS 104, 1959, 95-98
  • G. Kreis, Auf den Spuren von La Charité, 1976
  • W. Gautschi, General Henri Guisan, 1989
  • Generalstab 6; 8, 399
Weblinks
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VIAF
Kurzinformationen
Familiäre Zugehörigkeit
Lebensdaten ∗︎ 12.10.1877 ✝︎ 14.2.1959

Zitiervorschlag

Rudolf Jaun; Michael Olsansky: "Wille, Ulrich", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 10.05.2017. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/024434/2017-05-10/, konsultiert am 24.04.2024.