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Historienmalerei

Als H. wird die Darstellung hist. Schlüsselereignisse in der bildenden Kunst verstanden. Die H. soll ein breiteres Publikum erreichen und als Ausdruck des Selbstbewusstseins einer Gruppe, etwa einer Bürgerschaft oder Nation, wahrgenommen werden.

Seit dem ausgehenden MA und besonders in der frühen Neuzeit finden wir - oft parallel zu christl. Darstellungen - Historienbilder zur vaterländ. Geschichte in Rathäusern, Wehrbauten und Brücken. Ein eindrückl. Beispiel des Sicheinordnens in eine christl. und eine vaterländ. Geschichte bilden die Bilderzyklen der Luzerner Hof- und Kapellbrücke. Auch in den ref. Orten konnte sich die H. weiterentwickeln; Johannes Calvin hatte sie sogar ausdrücklich gebilligt.

Im 18. und in der 1. Hälfte des 19. Jh. gab die Neuinterpretation der vaterländ. Geschichte, die nun als zielgerichteter, auf Fortschritt angelegter Prozess gedeutet wurde, der H. neue Impulse. Den Ausgangspunkt bildeten literar. Vorlagen und ihre Umsetzung in der Druckgrafik. Für die Aufklärer waren die H. und das eng mit ihr verbundene Denkmal wichtige Elemente des patriot. Diskurses. Die heroischen Taten der Vorväter, aber auch die Beispiele antiker Bürgertugenden sollten als Vorbilder dienen. Angesichts fehlender öffentl. Aufträge konnten diese Absichten nur ansatzweise realisiert werden.

Erst im Bundesstaat entstanden in der 2. Hälfte des Jahrhunderts zahlreiche Historienbilder, darunter zum grossen Teil Schlachtenbilder. Der Historismus rief eine grosse Nachfrage nach möglichst realistisch gestalteten Schlüsselszenen der Schweizer Geschichte hervor. Weit über die Kunstszene hinaus fanden die Fresken für die Tellskapelle von Ernst Stückelberg und die "Fuite de Charles le Téméraire" von Eugène Burnand Beachtung. Im Unterschied zu anderen Ländern wurden in der Schweiz kaum Themen aus der jüngeren Geschichte thematisiert. Die nationalen Bilder wurden durch kant. und kommunale Geschichtsbilder ergänzt. Ihre Bandbreite reicht vom kleinformatigen Almanachbild bis zu riesigen Panoramen, die zu eigentl. Publikumsmagneten wurden. In den Kunstakademien entwickelte sich die H. im 19. Jh. zum wichtigsten Anliegen der Künstlerausbildung, galt sie doch als die höchste Gattung der Kunst.

Eine Art Synthese der schweiz. Bildthemen leistete Karl Jauslin, dessen "Bilder aus der Schweizergeschichte" 1896 erstmals erschienen. In unzähligen Varianten und Drucken wurden sie in den Schulstuben verbreitet. Höhepunkte des Patriotismus bildeten die anlässlich der grossen Feste zur Ausschmückung der Festhütten oder als "lebende Bilder" an Umzügen und Festspielen entstandenen ephemeren Bilder (Eidgenössische Feste).

Als der Historismus gegen Ende des 19. Jh. an Überzeugungskraft einbüsste, geriet auch die H. in eine Sinnkrise. Nicht mehr die minutiöse Rekonstruktion, sondern die zeitenübergreifende Emotionalisierung sollte nun sinnstiftend werden. Ferdinand Hodlers Freskenentwurf für das 1898 errichtete Landesmuseum bildet den endgültigen Bruch mit der Tradition der möglichst detailgetreuen Rekonstruktion. In der Zeit nach dem 1. Weltkrieg zeigte sich die H. v.a. noch in Fresken an öffentl. Gebäuden. Die grossen Bilder evozieren eine heroische Vergangenheit und erheben den Anspruch, alten Bildthemen eine aktuelle Bedeutung zukommen zu lassen. Diese H. der Zwischenkriegszeit war stark mit der Bewegung der Geistigen Landesverteidigung verknüpft. Als populäres Bildmedium setzte sich aber bereits damals der Historienfilm durch und drängte die H. in den Hintergrund.

Nach dem 2. Weltkrieg spielte die H. nur mehr eine marginale Rolle. Weder war die Geschichte die zentrale Motivationsquelle der Künstler, noch bildete die künstler. Umsetzung von Schlüsselereignissen ein Desiderat der Historiker. Nur in den Schulwandbildern lebt die H. in modernisierter Form weiter.

Quellen und Literatur

  • F. Zelger, Heldenstreit und Heldentod, 1973
  • Zeichen der Freiheit, Ausstellungskat. Bern, 1991
  • AH 10
  • F. Haskell, Die Gesch. und ihre Bilder, 1995 (engl. 1993)
  • H., hg. von T.W. Gaehtgens, U. Fleckner, 1996
  • Bilder der Macht - Macht der Bilder, hg. von S. Germer, M.F. Zimmermann, 1997
  • Von Anker bis Zünd, Ausstellungskat. Zürich, Genf, 1998