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Jazz

Louis Armstrong und sein Publikum im Casino Bern, November 1955. Fotografien von Walter Studer © Peter Studer, Bern.
Louis Armstrong und sein Publikum im Casino Bern, November 1955. Fotografien von Walter Studer © Peter Studer, Bern.

Die ersten Kontakte des Schweizer Publikums mit afroamerikan. Musik fallen in die 2. Hälfte des 19. Jh., als vereinzelt schwarze Musiker und Tänzer in hiesigen Variétés auftraten. Einen Boom erlebte der J. in der Schweiz nach dem 1. Weltkrieg, wobei unter dem Begriff vorerst Modetänze wie Ragtime, Foxtrott oder Charleston verstanden wurden. Die jazznahe Tanzmusik erfreute sich anhaltender Beliebtheit, die in den 1930er Jahren durch die internat. Erfolge Teddy Stauffers verstärkt wurde. Gleichzeitig entwickelte sich eine in Fanzirkeln organisierte Szene, die sich der Rezeption des "echten", von afroamerikan. Musikern vertretenen J. verschrieben hatte. Aufgrund der Isolation der Schweiz ab 1939 blieb die ausländ. Konkurrenz aus und es erhöhte sich die Nachfrage nach einheim. Orchestern, weshalb die Kriegsjahre als goldene Zeit des Schweizer J. gelten. Dabei diente dieser zur Abgrenzung gegenüber dem nationalsozialist. Deutschland, das den J. verbot. Aber auch in der Schweiz wurde der Musikstil gelegentlich mit durchaus rassist. Untertönen als fremdartig angefeindet. Die künstler. Impulse aus den USA führten nach Kriegsende zu einer Spaltung der Fangemeinde in einen vorwiegend von Amateuren gepflegten traditionellen Bereich und eine sich zunehmend professionalisierende moderne Szene. 1951 wurde das erste Amateur-Jazzfestival von Zürich durchgeführt, 1962 das erste internat. Festival von Lugano; weitere, bis heute bestehende Festivals folgten in Montreux (1967), Willisau (1975) und Bern (1976). Die erste autonome Jazzschule Europas entstand 1967 in Bern. Die Gegenwart ist von einer stilist. Zersplitterung geprägt, wobei das seit 1984 in Basel, Bern und Zürich stattfindende Taktlos-Festival neueste Tendenzen dokumentiert. Beliebte Veranstaltungen sind das Estival Jazz von Lugano (seit 1979) sowie das Festival New Orleans Jazz von Ascona (seit 1985), das grösste seiner Art ausserhalb der Vereinigten Staaten.

Quellen und Literatur

  • Swissjazzorama, Uster
  • J.-R. Hippenmeyer, Swiss J. Disco, 1977, (Diskografie)
  • C. Steulet, Réception du J. en Suisse 1920-1960, 1987
  • H. Baumgartner et al., J. in der Schweiz, Ausstellungskat. Zürich, 1993
  • T. Mäusli, J. und Geistige Landesverteidigung, 1995
  • A. Sandmeier, «Album del jazz di famiglia», in Bloc Notes 48, 2003, 187-241
  • J. in der Schweiz, hg. von B. Spoerri, 2005