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Frauenpresse

Kopf der ersten Ausgabe der Monatszeitschrift des Schweizerischen Arbeiterinnenverbands, 1. Mai 1906 (Schweizerisches Sozialarchiv, Zürich).
Kopf der ersten Ausgabe der Monatszeitschrift des Schweizerischen Arbeiterinnenverbands, 1. Mai 1906 (Schweizerisches Sozialarchiv, Zürich).

Die F. richtet sich speziell an Frauen, muss aber nicht zwingend von Frauen produziert und publiziert werden (Presse). Inhaltlich umfasst die im 19. Jh. entstandene F. Unterhaltungs- und Modeperiodika, eine polit. Verbandspresse sowie Erzeugnisse religiöser, fachlicher oder ethisch-sozialer Ausrichtung. Die zahlenmässig grösste Gruppe bilden die Fachperiodika.

Bis Mitte des 19. Jh. erschienen in der Deutsch- und Westschweiz vereinzelte, meist kurzlebige Periodika, so 1833 ein einziges Mal die als Monatsschrift konzipierte erste feminist. Zeitschrift "Das Recht der Weiber" (Frauenbewegung). Der polit. Anspruch der bis zur Jahrhundertwende gegr. Erzeugnisse war in der Regel gering. V.a. in den 1880er Jahren wurden mehrere prakt. und belehrende Hausfrauenblätter gegründet (z.B. "Wochenblatt für Familie, Haushalt & Küche" 1881-82, "La jeune ménagère" 1888-1960). Sie bezweckten, die Frauen durch prakt. Anleitungen und moral. Bildung zu "unterweisen". Auch die von Elise Honegger redigierte und zeitweilig als Organ des ersten Frauenverbands dienende "Schweizer Frauen-Zeitung" legte ihr Schwergewicht auf Lebenshilfe und tradierte das Bild der Frau als Helferin des Mannes.

In der 1. Hälfte des 20. Jh. entstanden zahlreiche Fachperiodika in den Bereichen Pädagogik, Hauswirtschaft, Pflege, Gewerbe und Industrie, die lange Bestand hatten (z.B. "Journal de la sage-femme" 1904-85, "Das Schwestern-Blatt" 1926-79). Für die Arbeiterinnen gründete Margarethe Hardegger 1906 die gewerkschaftl. Frauenzeitschrift "Die Vorkämpferin", die 1920 einging. Die Nachfolgerin "Frauenrecht" (1929-37) war das Organ der sozialdemokrat. Frauen. In der Westschweiz publizierten die Arbeiterinnen parallel zur "Vorkämpferin" 1907-08 die Zeitschrift "L'Exploitée".

Die Verbandspresse der Frauenorganisationen umfasste ab den 1890er Jahren auch Publikationen mit frauenspezif. Anliegen wie z.B. "Die Philanthropin" (1890-94). In Genf hatte Emilie Gourd bereits 1912 die Zeitschrift "Le Mouvement féministe" gegründet, die seit 2001 "L'Emilie" heisst. Als offizielles Organ des Bundes Schweiz. Frauenvereine erschien ab 1919 das zu Beginn von Elisabeth Thommen geleitete "Schweizer Frauenblatt" (bis 1979), in dem das feminist. Organ der Union für Frauenbestrebungen ("Frauenbestrebungen" 1903-21) integriert war.

Die Anzahl der Periodika mit ethisch-sozialer oder rein religiöser Ausrichtung erreichte vor der Mitte des 20. Jh. ihren Höhepunkt. Diese Publikationen wurden häufig von Verbänden oder Vereinen, etwa den Freundinnen junger Mädchen (Sittlichkeitsbewegung), sowie Vereinen aus dem kirchl. Bereich herausgegeben (z.B. "Mitteilungen aus der Basler Frauenmission" 1902-29). Konfessionelle Verbände gaben eigene Frauenzeitungen heraus (z.B. "Die kath. Schweizerin" 1916-43). Im Verlauf des 20. Jh. wurden sie häufig durch ökumen. Erzeugnisse ersetzt, so die 1971 vom kath. und evang. Frauenbund der Schweiz lancierte Zeitschrift "Schritte ins Offene".

Zwischen 1940 und 1960 nahm die Gruppe der Unterhaltungs- und Modeperiodika zahlenmässig stark zu. Diese Erzeugnisse bezweckten die Beratung der Leserinnen bei Alltagsproblemen, in Fragen der Mode sowie des "richtigen" Lebensstils und appellierten verstärkt an das weibl. Konsumbedürfnis. Die erste derartige Frauenzeitschrift im deutschsprachigen Raum war "Annabelle". 1956 wurde die bis in die Gegenwart erfolgreiche Küchen- und Werbezeitschrift "Betty Bossi Post" ("Betty Bossi") in dt. und franz. Sprache lanciert. Gewachsen ist seit den 1950er Jahren ausserdem die Zahl der Werbe- und Public-Relations-Periodika.

Titelseite der Frauenzeitschrift La semaine de la femme, 1949, Nr. 26 (Bibliothèque de Genève, Archives A. & G. Zimmermann).
Titelseite der Frauenzeitschrift La semaine de la femme, 1949, Nr. 26 (Bibliothèque de Genève, Archives A. & G. Zimmermann). […]

Ende der 1960er und in den 70er Jahren schlugen sich die Studentenbewegung und die Politisierung der Frauen in der Gründung neuer emanzipator. Periodika nieder. Erzeugnisse wie die von 1975 bis 1996 bestehende Zeitung "Emanzipation", die ursprünglich die Zeitung der Progressiven Frauen war (Progressive Organisationen) oder die "Donnavanti" im Tessin (1989-92) entsprachen v.a. den Bedürfnissen der gebildeten urbanen Frauen. Die 1975 lancierte "Fraue-Zitig" (seit 1995 "FRAZ") der autonomen Frauenbefreiungsbewegung Zürich versteht sich bis heute als Zeitschrift der Frauenbewegung. Daneben gibt es ein weites Spektrum an feminist. Zeitschriften in der Deutsch- und Westschweiz, darunter einige, die sich spezifisch an Lesben wenden oder sich mit bestimmten polit. oder theol. Themen beschäftigen.

Quellen und Literatur

  • E. Steiger, Gesch. der Frauenarbeit in Zürich, 1964
  • B. Marti, Die F. von den Anfängen bis 1985, 1987
  • I. Soltermann, "Die Frau in Leben und Arbeit", 1995
  • NZZ, 6./7.7.2002