de fr it

Annabelle

Werbeplakat für die Zeitschrift von 1975 (Museum für Gestaltung Zürich, Plakatsammlung, Zürcher Hochschule der Künste).
Werbeplakat für die Zeitschrift von 1975 (Museum für Gestaltung Zürich, Plakatsammlung, Zürcher Hochschule der Künste).

1938 wurde die Annabelle als erste "klassische" Frauenzeitschrift im deutschsprachigen Raum von den Herausgebern der Weltwoche – Karl von Schumacher und Manuel Gasser – in Zürich gegründet. Vor allem im Aufstiegs- und Konsumtaumel der 1950er Jahre verzeichnete sie – nahezu konkurrenzlos – imposante Zuwachsraten. Das nach 1956 stark wachsende Werbevolumen machte 1962 die Umstellung vom monatlichen auf einen zweiwöchigen Erscheinungsrhythmus möglich. Die Leserinnen waren zur Hauptsache in bürgerlich-städtischen Milieus verankert, zählten aber auch zur wachsenden Schicht der Angestellten. Als Zeitschrift stellte die Annabelle in der Nachkriegszeit öffentliche Meinung darüber her, wie eine "moderne" Frau zu sein habe. "Von Frau zu Frau" legte sie als "liebste Freundin" ihren Leserinnen – in einer dezidiert pädagogischen Grundhaltung – die richtigen Verhaltensweisen ans Herz. Ins Haus verbannt, sollten sie im raschen Wandel der Arbeits- und Lebenswelt die familiäre Rückszugsbastion ästhetisch formschön sichern und sich dabei immer nett, gepflegt und modisch präsentieren. Die Annabelle stützte in ihrer ganzen Konzeption jenen kulturellen Konservatismus, der Voraussetzung für das Wirtschaftswachstum der damaligen Zeit war. Ende der 1960er Jahre erlitt die Annabelle im stark gewachsenen Markt für klassische Frauenzeitschriften und auf dem Hintergrund der neuen Frauenbewegung einen empfindlichen Wachstumseinbruch. Zwar konnte sie sich dank Anpassungsstrategien Anfang der 1980er Jahre einigermassen erholen. Dennoch und trotz der Tatsache, dass die Annabelle zwischen 1978 und 1982 mit ihren wichtigsten schweizerischen Konkurrentinnen ("Elle", "Femina") fusionierte, ist ihre Auflage heute nicht entscheidend höher als in den 1960er Jahren (2000: 100'007). Darüber hinaus ist die schweizerische Leitbildproduzentin zu einer Frauenzeitschriften unter vielen geworden, die ihre Leserinnen in Konsum- und Stilfragen berät.

Quellen und Literatur

  • Ganz Annabelle, hg. von M. Christen et al., 1992
Weblinks
Normdateien
GND

Zitiervorschlag

Mariana Christen: "Annabelle", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 03.08.2001. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/024756/2001-08-03/, konsultiert am 10.12.2023.