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BühlerFamilie, ZH, Winterthur

Industriellenfamilie, ursprünglich aus Freudwil bei Uster, seit 1858 bzw. 1861 von Winterthur. Mitte der 1820er Jahre bildete Johann Jakob (->) mit seinen Söhnen Heinrich (1802-1856) und Johann Heinrich (1804-1866) die Firma J.J. Bühler & Söhne. 1832 bzw. 1835 gründeten sie zwei Spinnereien in Kollbrunn (Gemeinde Zell). 1855 war die 1853 um eine Weberei in Pfungen erweiterte Firma mit 38'200 Spindeln und 400 Beschäftigten das fünftgrösste Spinnereiunternehmen der Schweiz. 1858-1859 wurde sie zwischen Johann Heinrich und seinem Neffen Eduard (->) aufgeteilt.

Johann Heinrich gründete 1858 mit seinen Söhnen Adolf (1834-1894), Hermann (1843-1907) und Carl (1845-1897) die Nachfolgefirma J.H. Bühler's Söhne in Winterthur, wo er im selben Jahr auch die Villa Flora erwarb. Durch die Ehen Hermanns und Carls wurden Verwandtschaftsbeziehungen mit den Industriellen Johann Jakob Weber und Friedrich Imhoof-Blumer geknüpft. Die Firma besass die obere Spinnerei in Kollbrunn, die Weberei in Pfungen (1870 um eine Spinnerei erweitert, 1884 nach Brand aufgegeben) und die 1860 gegründete Spinnerei in Sennhof (Kyburg, Gemeinde Illnau-Effretikon). Mit 40'000-47'000 Spindeln gehörte das Unternehmen 1862-1911 zu den zehn grössten seiner Art in der Schweiz. Ab 1897 führte Hermann die Firma als Hermann Bühler & Co. mit seinen Söhnen Richard (->) und Hermann (->) weiter. Nach dem Tod des Letzteren leiteten dessen Söhne Hermann Bühler-Krayer (1896-1985) und Victor Bühler-Walder (1897-1977) das Unternehmen, das sie 1931 in eine Aktiengesellschaft umwandelten und modernisierten (1945 40'000 Ringspindeln, 300 Mitarbeiter). Der 1965 in Sennhof konzentrierte Betrieb wurde bis 1989 zu einer auf Feingarne spezialisierten Baumwollspinnerei umgebaut (2016 Schliessung). Das seither als Hermann Bühler AG firmierende Unternehmen eröffnete 1996 eine Tochterfirma in den USA (2002 280 Mitarbeiter, davon 160 in der Schweiz).

Eduard (->) gründete 1858 die Ed. Bühler & Co. in Winterthur mit der unteren Spinnerei in Kollbrunn und einer 1859 in Weinfelden eröffneten Weberei. Sein Sohn Eduard (1862-1932) beteiligte sich in den 1920er Jahren an der Spinnerei Textil AG in Schwanden (GL), zu der auch eine Spinnerei in Landeck (Tirol) gehörte. Seine Tochter Fanny Sulzer-Bühler (1865-1948) schrieb in den 1930er Jahren ihre Erinnerungen an die Familie nieder (1973 publiziert). 1932 traten Eduards Söhne Hans (1893-1967), Gatte der Marguerite geborene Volkart und ab 1922 Besitzer des Schlosses Berg am Irchel, sowie Robert (->) in die Geschäftsleitung ein. Im selben Jahr schloss die Firma infolge der Weltwirtschaftskrise die Weberei in Weinfelden. 1960 kaufte sie die Spinnerei Rikon AG in Zell (ZH) für die Verarbeitung von Kunstfasern. 1968 wurde die Bühler Holding AG errichtet, 1970 das Stammhaus in die Ed. Bühler AG umgewandelt. 1971 ging die Unternehmensleitung an Hans' gleichnamigen Sohn (1921-1986) über. Wegen Verlusten stellte die Bühler Holding AG 1983 den Betrieb in Rikon ein und trennte sich 1988 von der Fabrik in Landeck. 1989 kaufte die Schmid AG, Gattikon (Verwaltungsratsdelegierter Adrian Gasser), die Betriebe in Kollbrunn und Schwanden. Schwanden wurde geschlossen, Kollbrunn wegen angeblichen Messingkäferbefalls 1990 stillgelegt, nach einer Modernisierung wieder geöffnet, 1994 aber während eines Arbeitskonflikts definitiv geschlossen.

Quellen und Literatur

  • FirmenA der Hermann Bühler AG, Winterthur
  • V. Bühler, «Hermann Bühler & Co. AG», in Chronik der Bez. Winterthur und Andelfingen, 1945, 141-145
  • H. Kägi, Hundert Jahre Ed. Bühler & Co. Winterthur, 1859-1959, [1960]
  • P. Dudzik, Innovation und Investition, 1987
  • Generalstab 8, 63-66
  • H.-P. Bärtschi, Industriekultur im Kt. Zürich, 1994, 87-91

Zitiervorschlag

Markus Bürgi: "Bühler (Familie, ZH, Winterthur)", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 15.06.2017. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/025132/2017-06-15/, konsultiert am 28.01.2023.