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Johann BaptistDillier

Verus amicus, ein 1707 veröffentlichtes Erbauungsbüchlein für Studenten, die in den Ordensstand eintreten wollen (Schweizerische Nationalbibliothek).
Verus amicus, ein 1707 veröffentlichtes Erbauungsbüchlein für Studenten, die in den Ordensstand eintreten wollen (Schweizerische Nationalbibliothek).

8.9.1668 Altzellen (heute Gemeinde Wolfenschiessen), 12.12.1745 Sarnen, katholisch, von Wolfenschiessen. Sohn des Niklaus, Ratsherrn und Kirchmeiers. Bruder des Melchior (->). 1680-1684 Studium an den Jesuitenkollegien Luzern und Solothurn, 1685 Eintritt in den Jesuitenorden, 1687-1699 Noviziat, daneben Studium der Philosophie und Theologie, Unterrichtstätigkeit. 1699 Priesterweihe. Wegen eines spanischen Einreiseverbots konnte Johann Baptist Dillier die persönlich angestrebte und vom Jesuitengeneral bestimmte Überseemission 1702 nicht antreten. 1703 lehnte die Ordensleitung Dilliers Pläne einer Protestantenmission im Kanton Bern und den beantragten Provinzwechsel ab und entliess ihn auf dessen Wunsch aus dem Orden. Darauf plante Dillier auf privater Basis ein Seminar für angehende und unverpfründete Kleriker (1705 Eröffnung in einem Mietshaus in Luzern) sowie die Gründung einer Priesterkongregation. 1704 unternahm er eine Romreise (Dr. phil. et theol. der römischen Universität Sapienza). Nach der vor allem aus finanziellen Gründen bedingten Schliessung des Seminars in Luzern führte Dillier ab 1709 ein privates Seminar in Sarnen, das er durch eine Ziegelbrennerei, einen Landwirtschaftsbetrieb und Viehhandel finanzierte. Der bald als "Seminariherr" bekannte Dillier legte damit den Grundstein zum Sarner Kollegium.

1713-1714 versuchte Dillier, mit revolutionären Schriften die Bauern der Kantone Bern und Luzern im Sinne der Politik der katholischen Urkantone zu beeinflussen, weswegen ihm 1716 das Betreten der Luzerner Landschaft verboten wurde. Gleichzeitig unternahm er dilettantische Friedensbemühungen bei den reformierten Ständen Bern, Zürich und Basel. 1741 errichtete er in Sarnen eine Stiftung zur regelmässigen Abhaltung von Volksmissionen und Priesterrecollectionen (Besinnungsveranstaltungen). Der eigenwillige, sprunghafte und abenteuerliche Johann Baptist Dillier betätigte sich unter anderem auch als Mineralienforscher und pflegte einen Briefkontakt mit Johann Jakob Scheuchzer.

Quellen und Literatur

  • L. Ettlin, Dr. Johann Baptist Dillier, 1668-1745, 1969
  • E. Omlin, Die Geistlichen Obwaldens vom 13. Jh. bis zur Gegenwart, 1984, 202 f.
  • F. Strobel, Schweizer Jesuitenlex., Ms., 1986, 150
Weblinks
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VIAF

Zitiervorschlag

Urban Fink: "Dillier, Johann Baptist", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 12.04.2005. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/025194/2005-04-12/, konsultiert am 30.05.2024.