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EsaïeColladon

19.3.1562 Genf, 18.7.1611 Genf, reformiert, von Genf. Mediziner, Mathematiker, Physiker und Chronist.

Esaïe Colladon war das jüngste von zwölf Kindern des Germain Colladon und der Clauda Bigot. Sein Vater war Jurist, Gesetzgeber, Ratsherr sowie Freund von Johannes Calvin und Theodor Beza, sein Bruder David Colladon Professor für Zivilrecht und Syndic von Genf. 1594 heiratete er Marie Chauve, die Tochter des Pfarrers und Rektors der Genfer Akademie Antoine Chauve. Das Paar hatte vier Töchter und zwei Söhne, darunter Jean Colladon, Arzt am englischen Königshof.

Erste Seite des handschriftlichen Tagebuchs von Esaïe Colladon, 1600-1609, 28 x 18 cm (Bibliothèque de Genève, Ms. suppl. 30/24, fol. 156r).
Erste Seite des handschriftlichen Tagebuchs von Esaïe Colladon, 1600-1609, 28 x 18 cm (Bibliothèque de Genève, Ms. suppl. 30/24, fol. 156r). […]

Esaïe Colladon studierte 1586 in Heidelberg Medizin und anschliessend in Basel, wo er 1587 mit einer Dissertation über das Purgieren promovierte. Im Anschluss wirkte er als Arzt in Genf und nahm an drei Autopsien teil, die Wilhelm Fabry in seinen Observationum et curationum chirurgicarum centuriae sex (1606-1641) beschrieb. Er war während einiger Monate im Jahr 1593 Professor der Philosophie an der Lausanner Akademie, ab 1594 an der Genfer Akademie (1596-1600 Rektor), wo er in aristotelischer Tradition bis zu seinem Tod Mathematik und Physik sowie 1597-1606 Logik unterrichtete. Colladon war ebenfalls Mitglied der Compagnie des pasteurs.

Von Colladon sind dreizehn physikalische Thesen überliefert, die zwischen 1596 und 1610 im Druck erschienen. Zwölf davon hatte er selbst für seine Studenten niedergeschrieben, eine war von einem seiner Schüler verfasst worden. Sie behandeln Themen des traditionellen Aristotelismus: die Natur, die Welt, die vier Grundelemente und deren Mischung, die Erscheinungen in der Atmosphäre, die Meteore, die fünf Sinne (insbesondere das Sehen) und die Verwesung natürlicher Körper. Colladons berühmtester Schüler war der Theologe Théodore Tronchin, von dem Kommentare zu dessen Vorlesungen überliefert sind (aufbewahrt in den Archives Tronchin der Bibliothèque de Genève, Bd. 32).

Bei Ausbruch des französisch-savoyischen Konflikts im August 1600 begann Colladon ein Tagebuch in Form von Annalen, das sowohl grosse Ereignisse als auch Anekdoten wiedergibt und eine wichtige Quelle für die Escalade sowie den Krieg von 1603 zwischen Genf und Savoyen darstellt. Im Oktober 1605 beschrieb er den Trauerzug von Theodor Beza, dessen Leibarzt er vermutlich gewesen war. Die letzten der nach 1604 sehr spärlichen Einträge stammen aus dem Jahr 1609. Das Tagebuch widerspiegelt nicht seine eigenen Meinungen, es entsteht jedoch der Eindruck, dass er als Repräsentant des calvinistischen Genf sehr antikatholisch und dem Herzog von Savoyen feindlich gesinnt war. Colladon galt als ausgezeichneter Pädagoge und setzte sich darüber hinaus für die arme Bauernschaft ein. Zu den Personen, mit denen er Briefkontakt pflegte, zählten sein Freund Isaac Casaubon und sein Cousin zweiten Grades Théodore Colladon, Mediziner und Sohn von Nicolas Colladon, mit dem er sich über den Blutkreislauf austauschte (Werk vermutlich nicht überliefert).

Quellen und Literatur

  • Colladon, Esaïe: Journal (1600-1609), hg. von Patrice Delpin, 2022.
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Zitiervorschlag

Patrice Delpin: "Colladon, Esaïe", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 22.08.2023, übersetzt aus dem Französischen. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/025278/2023-08-22/, konsultiert am 14.07.2024.