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LeonhardZubler

20.11.1565 (und nicht 1563) Zürich, 26.8.1611 (?) Zürich, reformiert, von Zürich. Sohn des Leonhard und der Judith Sulzer. 1) 1592 Susanna Pretelli [Brettel], Tochter des Cunrado, Apothekers in Bern, 2) 1606 Maria Fehr. Leonhard Zubler lernte Goldschmied bei Beat Wilhelm Ambüel. Er wurde 1592 Meister und Zünfter zur Meisen und war 1597 am Petersturm in Zürich tätig. Ausser seinen familiären Verhältnissen und der Ehescheidung 1604 ist wenig über ihn bekannt. Zubler stand in Kontakt mit dem Uhrmacher und Astronomen Jost Bürgi, dem Steinmetz und Mathematiker Philipp Eberhard und dem Grossmünsterpfarrer Burkhard Leemann, der ihn vielleicht zur Beschäftigung mit astronomischen Instrumenten anregte. Zubler verstarb wohl 1611 während der Pestepidemie, und nicht 1608 oder 1609, wie die ältere Literatur angibt.

Zubler entwickelte mit Eberhard Instrumente (Triangel, Messtisch) zur Bestimmung unzugänglicher Strecken (Distanzen, Höhen, Tiefen) mittels ähnlicher Dreiecke, wie sie im Vermessungswesen, der Kartografie und in der praktischen Artillerie Anwendung fanden. Die hierbei benötigten Instrumente und Messvorgänge erläuterte er in mehreren Schriften mit zahlreichen Kupferstichen, zunächst in «Kurtzer vnnd gruntlicher Bericht von dem Neüwen Geometrischen Instrument oder Triangel» (1602 mit Eberhard, 1603 und 1604 in leicht überarbeiteter Form unter seinem Namen). 1607 folgten die grösseren Werke «Novum instrumentum geometricum» und «Fabrica et usus instrumenti chorographici», wobei er in Letzterem die von Eberhard im Anschluss an Vitruv entworfene, rein grafische Messtischaufnahme beschrieb und deren mathematische Grundlegung aufgrund der Dreieckähnlichkeit erläuterte. Beide Schriften erschienen in mehreren Auflagen und in einer lateinischen Übersetzung von Caspar Waser. Zubler publizierte 1608 noch die «Nova geometrica pyrobolia. Neuwe geometrische Büchsenmeisterery» und 1609 das der praktischen Astronomie gewidmete Werk «Novum instrumentum sciotericum», das ein astronomisches Gerät zur Zeit- und Polhöhenbestimmung und zur Konstruktion von Sonnenuhren darlegt. Zubler zählt zu den ersten Feinmechanikern der Eidgenossenschaft und revolutionierte die Vermessungstechnik. Bereits 1601 schuf er mit Eberhard einen ersten, verloren gegangenen Plan der Stadt Zürich. Seine Instrumente waren so gesucht, dass er 1608 in Frankfurt am Main eine Verkaufsstelle errichtete. Zublers Messgeräte wurden von Bürgi, Johann Ardüser, Hans Conrad Gyger und Hans Georg Werdmüller verfeinert und verhalfen der Zürcher Schule auf dem Gebiet des Instrumentenbaus, der Kartografie und des Festungsbaus zu europäischer Anerkennung.

Quellen und Literatur

  • R. Wolf, Gesch. der Vermessungen in der Schweiz [...], 1879
  • SKL 3, 571
  • NZZ, 12.12., 19.12. und 26.12.1943; 21.3.1945
  • L. Weisz, Die Schweiz auf alten Karten, 1945 (31971)
  • H. Zölly, Gesch. der geodät. Grundlagen für Karten und Vermessungen in der Schweiz, 1948
  • E.J. Walter, Die Pflege der exakten Wiss. (Astronomie, Mathematik, Kartenkunde, Physik und Chemie) im alten Zürich, 1951
  • A. Dürst, Philipp Eberhard (1563-1627) & Leonhard Zubler (1563-1611), 1983
Weblinks
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Zitiervorschlag

Erwin Neuenschwander: "Zubler, Leonhard", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 22.12.2015. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/025308/2015-12-22/, konsultiert am 08.12.2022.