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Morandi

Waadtländer Familie von Ziegelherstellern die ursprünglich aus Bombinasco (Curio) stammte. Leonardo Morandi (1840-1898), genannt Léonard, erlernte das Handwerk in Norditalien und arbeitete in Wien und Bukarest. 1888 stellte er mit einem Vetter in Cossonay Ziegel her. Zusammen kauften sie 1889 in Corcelles-près-Payerne ein Bauerngut mit einem 1864 erbauten Tonofen. Das Unternehmen (1898-1911 Hoirie Morandi, ab 1911 Morandi Frères, ab 1934 eine Aktiengesellschaft) blieb bis 2009 in der Familie. Léonard Morandis Söhne, Silvio Morandi (1883-1977), 1963 Ehrenbürger von Corcelles, sowie Giovanni Morandi, genannt Jean (1877-1933), vergrösserten die Firma 1920 und mechanisierten sie, indem sie unter anderem drei Brenn- und mehrere Trockenöfen installierten. Ab 1922 leitete Silvio Morandi das Unternehmen alleine. Die dritte Generation wurde durch seine Söhne Robert (1912-1997) und Gérard Morandi (1920-1988) repräsentiert, die vierte durch Roberts Sohn Claude Morandi (1943), der 1972 in die Firmenleitung nachrückte. Die Übernahmen der Briqueterie mécanique SA in Payerne, der Ziegelei von Peyres-Possens (1944), der Tuileries Dutoit et Cie. in Yvonand (1952) und der Gruppe Barraud et Cie. (1953) machten die Morandi Frères SA zum grössten Ziegelproduzenten der Westschweiz. Zudem diversifizierte das Unternehmen in andere Bereiche wie vorfabrizierte Böden, Betonziegel und Rauchabzüge. Die Produktionsanlagen wurden modernisiert, etwa mit der Einrichtung einer Erdgasheizung 2004 in Corcelles. Die Automatisierung (1981, 1984 und 1989 neue Produktionsketten) reduzierte den Personalbestand von 360 Mitarbeitenden (1964) auf 70 (1994) bzw. 60 (2007). 2010 wurde die Ziegelproduktion der Morandi Frères SA von der Ziegelei Rapperswil Louis Gasser AG (seit 2013 Gasser Ceramic) übernommen.

Quellen und Literatur

  • Firmenarchiv Morandi Frères SA, Corcelles-près-Payerne.
  • Pro Ticino Payerne: Publi-rétro, 1976.
  • Nathusius, Martin; Rieben, Henri et al.: Portraits de 250 entreprises vaudoises, 1980, S. 28-29.
  • Alther, Ernesto W.; Medici, Ermanno: Curio e Bombinasco dagli albori. La terra, la gente, il lavoro, 1993, S. 241-258.

Zitiervorschlag

Gilbert Marion: "Morandi", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 29.03.2022, übersetzt aus dem Französischen. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/025446/2022-03-29/, konsultiert am 07.02.2023.