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Lullin

Eine der ältesten, ab der 1. Hälfte des 14. Jh. erw. Genfer Fam., deren Stammbaum bis auf Humbert (1357-1416) zurückgeht. Die L. gingen unter sich und mit den angesehensten lokalen Geschlechtern vorteilhafte Heiratsverbindungen ein und waren Ende des 17. Jh. die reichste Fam. Genfs.

Die L. stellten immer wieder den Syndic von Genf und bekleideten die höchsten polit. Ämter der Republik. Im 16. Jh. sticht Jean (->) hervor. Sein Bruder François, 1558 Herr von Tournay, begründete vier Zweige, die Militärs, Agronomen, Gelehrte und Bankiers hervorbrachten. Pierre (1590-1654), Syndic und Enkel von François, war Vater von Jean (->) sowie Grossvater von Jean-Antoine (1666-1709) und Marc (1671-1747), allesamt Bankiers. Jean-Antoine beauftragte den Architekten Joseph Abeille 1707 mit dem Bau des Familiensitzes L., der heutigen Maison de Saussure. Sein Sohn Ami (1695-1756) wirkte als Rektor der Akademie und schenkte der öffentl. Bibliothek eine bedeutende Sammlung von Manuskripten.

Die Nachkommen von Pierre bildeten zwei Hauptlinien. Die erste, die Linie der Châteauvieux, geht auf seinen Sohn Jean-Antoine (->) zurück, der 1685 die Herrschaft von Châteauvieux und Confignon erwarb. Zwei seiner Söhne, Ami (1663-1701) und Michel (1656-1739), gründeten mit Jacob Marcet die Bank Lullin & Marcet. Ein dritter Sohn Jean-Antoines, Charles (1669-1761), Herr von Challex, Châteauvieux, Dardagny, Confignon, Bruel und anderen Ländereien, verkaufte 1721 die Herrschaft Dardagny an Jean Vasserot und liess die Villa Choully bauen, die von da an als Hauptresidenz der Fam. diente. Einer der Söhne von Charles, Michel (->), befasste sich mit Agronomie und begründete so eine Familientradition, die seine Enkel Jacob-Frédéric (->) und Charles-Jean-Marc (->) fortsetzten. Drei Söhne von Michel, Antoine (1721-58), Jean-Louis (1725-73) und Jacques André (->) standen als Hauptleute im Regiment Diesbach in franz. Diensten. Einer der beiden Söhne von Antoine, Michel (1754-1802), war Bankier; von seinen Kindern sind der Kunstmaler Adolphe und seine Tochter Anna Eynard zu erwähnen. Der Enkel von Jacques André, Michel-François-Théodore (1799-1850), diente als Hauptmann der Schweizergarden in Frankreich. Mit ihm starb der Zweig von Châteauvieux im Mannesstamm aus. Seine Tochter Marie-Blanche (1834-1902) heiratete Louis-Alexandre (1828-94), den Gründer der Bank Lullin & Cie., die ihren Namen 1908 in Ferrier Lullin & Cie. änderte und seit 2006 zur Bank Julius Bär & Co. gehört.

Die zweite von Pierre ausgehende Linie ist jene von Archamps, deren Vertreter sich in öffentl. Ämtern und in der Finanzwelt auszeichneten. Die bekanntesten Persönlichkeiten waren Ami (->), sein Sohn Charles-Léonard (∗︎1781) sowie sein Enkel, der bereits genannte Louis-Alexandre. Dieser Zweig starb mit dem Bankier Ami-Charles-Jean (1893-1985), dem letzten Vertreter der Finanztradition der Fam., in männl. Linie aus. Er vermachte dem Kt. Genf das Gut Le Saugy in Genthod.

Quellen und Literatur

  • AEG, Nachlässe und Ms.
  • BGE, Nachlässe und Ms.
  • Schweiz. Geschlechterbuch 2, 306-310; 6, 356-359
  • A. Choisy, Généalogies genevoises, 1947
  • H. Lüthy, La banque protestante en France, 2 Bde., 1959-61
  • E. Bungener, Filiations Protestantes 2, Tl. 1, 1999