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Abteien

Vom Mittelalter an bezeichneten sich neben den Bruderschaften der Handwerker und Gesellen auch Vereinigungen und Organisationen junger Männer, wie die Königreiche und Knabenschaften, sowie Schützengesellschaften (Schützenwesen) als Abteien. Sie waren rein weltliche Männerbünde, deren hierarchische Strukturen auf den Modellen der religiösen Bruderschaften beruhen. Jungmänner-Vereinigungen und Schützengesellschaften unterschieden sich jedoch in ihren Zielen: Während erstere insbesondere Feste organisierten und normwidriges Verhalten kontrollierten, waren die Schützengesellschaften vor allem dazu da, die Verteidigung der Gemeinschaft und die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung zu gewährleisten. Vom 16. Jahrhundert an wurden Abteien im Zuge der Durchsetzung der Reformation abgeschafft oder ihrer ursprünglichen Vorrechte beraubt. Als Folge dieser Veränderungen wurden einige von ihnen, zum Beispiel die Abbaye de Saint-Pierre in Genf, in militärische Vereine umgewandelt und erhielten damit eine ähnliche Funktion wie die Schützengesellschaften. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts hielt sich der Begriff noch als Bezeichnung verschiedener Handwerkerkorporationen.

Quellen und Literatur

  • J.-J. Fiechter, Les abbayes vaudoises, 1991
  • I. Taddei, Fête, jeunesse et pouvoirs, 1991
  • N. Schindler, «Die Hüter der Unordnung», in Gesch. der Jugend 1, hg. von G. Levi, J.-C. Schmitt, 1996, 319-382 (ital. 1994)
Weblinks

Zitiervorschlag

Ilaria Taddei: "Abteien", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 05.03.2001, übersetzt aus dem Italienischen. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/025742/2001-03-05/, konsultiert am 24.05.2024.