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Eigenwirtschaft

Als E. wird in der ma. Grundherrschaft der landwirtschaftl. Betrieb bezeichnet, den der weltl. oder kirchl. Grundherr in eigener Regie betrieb, im Unterschied zu den kleineren Betrieben der abhängigen Bauern, den Huben. Zur E. gehörten das landwirtschaftl. Nutzland des Grundherrn, Salland genannt, und der Fronhof. Die Arbeit wurde einerseits von unfreiem Hofgesinde, das auf dem Fronhof wohnte, anderseits von den abhängigen Bauern im Frondienst verrichtet.

Beim Übergang von der zweiteiligen Grundherrschaft zur Rentengrundherrschaft verlor die E. ab Mitte des 13. Jh. an Bedeutung. Während die ältere Forschung annahm, die E. sei zu diesem Zeitpunkt vollständig aufgegeben worden, geht man heute von einer zumindest partiellen Weiterführung unter veränderten Voraussetzungen aus. Gerade in kleineren adeligen Grundherrschaften überlebte offenbar eine auf Frondiensten basierende E. teilweise bis ins 14. und 15. Jh. Geistl. Grundherrschaften, so z.B. das Kloster Allerheiligen in Schaffhausen oder Rüti (ZH), reduzierten die E. im Verlauf des 13. Jh. auf das in unmittelbarer Nachbarschaft des Hauses liegende Eigengut, auf dem sie nur noch für die Selbstversorgung produzierten. Auf dem Eigengut entstanden aber auch Schweighöfe, Vieh- und Milchwirtschaftsbetriebe, die auf den Markt ausgerichtet waren. Auf solchen Höfen wurde die Arbeit oftmals nicht Frondienstpflichtigen, sondern Lohnarbeitern übertragen. Grundsätzlich lässt sich aufgrund der Quellenlage nur selten rekonstruieren, wie die E.en im Einzelnen organisiert waren. Eine besondere Form von E. stellten die Grangien der Zisterzienser dar, die nicht primär von frondienstpflichtigen Bauern, sondern von Laienbrüdern bewirtschaftet wurden.

Quellen und Literatur

  • N. Morard, «Un document inédit sur la seigneurie foncière au Pays de Vaud», in RHV, 1974, 27-63
  • R. Sablonier, «Innerschweizer Ges. im 14. Jh.», in Innerschweiz und frühe Eidgenossenschaft 2, 1990, 11-233, v.a. 140 f.
  • W. Rösener, Grundherrschaft im Wandel, 1991
  • A. Zangger, Grundherrschaft und Bauern, 1991, 348-371