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Pfandbrief

Ein P. ist eine festverzinsliche, besonders gesicherte und daher als mündelsicher geltende Schuldverschreibung in der Form eines an der Börse gehandelten, meist auf den Inhaber lautenden Wertpapiers zur kostengünstigen Finanzierung von Krediten für Hypotheken. Der P. hat in der Regel eine längere Laufzeit (10-40 Jahre), wobei der Inhaber des P.s kein Kündigungsrecht hat, den P. jedoch jederzeit an der Börse verkaufen kann. Die rein inländ. P.-Anleihen stellen eines der wichtigsten Segmente des Schweizer Obligationenmarkts dar (Kapitalmarkt).

Vom Begriff her sind P.e in einem weiteren Sinn Urkunden um Pfandgeschäfte im Rahmen des Grundpfandrechts, also auch solche aus der Zeit vor 1800, bei denen der Schuldner mit seinem Grundstück haftet. Im engeren Sinn versteht man unter P.en jedoch ausschliesslich leicht übertragbare, sichere Anlagepapiere mit geldähnl. Funktion zur Mobilisierung des Bodenwerts ohne Haftung des Grundeigentümers, die erst mit dem modernen Bankwesen auftraten.

Während P.-Anleihen in Frankreich, Deutschland und den nord. Staaten ab Mitte des 19. Jh. aufkamen, geschah dies in der Schweiz, wo Gült und Schuldbrief als grundpfandgesicherte, handelbare Wertpapiere etabliert waren, erst nach 1900. Das Schweiz. Zivilgesetzbuch (ZGB) von 1907 stellte bereits Leitsätze zur Ordnung des P.s auf. Erst die Kreditkrise um den 1. Weltkrieg drängte die Verbände der Banken und der Hypothekarschuldner zum Handeln; das 1925 vorgelegte Pfandbriefgesetz wurde 1930 verabschiedet und trat 1931 in Kraft. Mit der gesetzl. Regelung verband sich die Gründung von zwei Pfandbriefzentralen, der Pfandbriefzentrale der schweiz. Kantonalbanken (1931) und der Pfandbriefbank der schweiz. Hypothekarinstitute (1930, für die übrigen Banken), die allein zur Emission von P.en berechtigt sind.

In der Praxis geben die beiden Zentralen die aus der Emission von P.en fliessenden Gelder als Darlehen an ihre Mitgliedbanken weiter, die damit ihre Hypothekarkredite finanzieren. Die Sicherheit für den P.-Inhaber (Gläubiger) besteht in einem gesetzl. Pfandrecht an diesen Darlehensforderungen der P.-Zentralen, die ihrerseits für ihre Forderungen ein Pfandrecht auf den Hypothekarforderungen der Banken gegenüber ihren Kunden haben. Damit ist der P.-Gläubiger grundpfandrechtlich durch erstrangige Hypotheken mittelbar gesichert; er geniesst zudem ein Konkursvorrecht. Das Pfandrecht wird mit der Eintragung der Deckungswerte, die bei den Mitgliedbanken (Darlehensschuldner) bleiben, in das von diesen geführte Pfandregister rechtskräftig; es wird kein spezieller Verpfändungsvertrag ausgestellt.

Die beiden Pfandbriefzentralen werden von der eidg. Bankenkommission beaufsichtigt, sind aber nicht dem Bankengesetz unterstellt. Der P.-Umlauf hat sich in der Schweiz nach 1950 enorm vergrössert, v.a. wegen der Nachfrage der Versicherungs- und Pensionskassen nach sicheren inländ. Anlagen. 1952 betrug er 697 Mio. Fr., 2009 lag er bei ca. 47 Mrd. Fr.

Deutschland initiierte 1995 mit der Ausgabe von sog. Jumbo-P.en (Emission von mindestens 500 Mio. Euro) die Internationalisierung des P.-Marktes. Seither gewannen P.-Anleihen - insbesondere nach der Einführung des Euro - im übrigen Europa an Popularität, v.a. in Frankreich, Spanien und Luxemburg, das 1999 die Erste Europ. P.- und Kommunalkreditbank AG einer europ. Anlegerschaft öffnete.

Quellen und Literatur

  • E. Duperrex, La lettre de gage, 1930
  • HSVw 3, 242 f.
  • A. Bühler et al., Liquidität für den dt. P., 1996
  • Geld-, Bank- und Finanzmarkt-Lex. der Schweiz, hg. von M. Boemle et al., 2002, 839 f.
  • L.-M. Marzi, Das Recht der P.e und Hypothekenbanken in Vergangenheit und Gegenwart, 2002