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Wechselbrief

Der W. war ein Handelspapier, das die Wechsler bzw. Bankiers von Genua ab dem 12. Jh. in Zusammenhang mit den Messen der Champagne entwickelten. Er diente dem Zahlungsverkehr zwischen versch. Orten ohne Transport von Bargeld. Untrennbar damit verbunden war seine Funktion als vereinfachtes Kreditmittel (Kredit), bei dem der Wechselkurs die Zinsen verbarg, die dem Aussteller des W.s, also dem Gläubiger, zustanden. Der W. setzte zwingend zwei versch. Orte voraus, nämlich jenen der Ausstellung und jenen der Zahlung, sowie zwei Währungen und im Prinzip vier Beteiligte: Der Aussteller stellte seinem Klienten am anderen Ort, dem Bezogenen, einen W. aus. Den W. verkaufte der Aussteller an einen Wechselnehmer an seinem Ort, der diesen wiederum an einen Begünstigten am anderen Ort sandte. Dieser zog nun gegen den W. das Geld beim Bezogenen ein. Die Entwicklung des W.s, der sich schon früh für Spekulationen eignete, ist komplex und umstritten. Der Übertragungsvermerk, der den W. zu einem negoziablen Wechsel machte, tauchte bereits im 15. Jh. in Italien auf, fand aber erst Ende des 16. Jh. Verbreitung. Die Handelsmessen von Genf entwickelten sich ab dem 13. und v.a. im 15. Jh. zu einer wichtigen Drehscheibe für W.e. Ab dem 14. Jh. spielten W.e auch eine Rolle im Verhältnis zwischen den Schweizer Städten, allen voran Basel, mit anderen Geschäftszentren. Im 18. Jh. wich der W. allmählich den Diskonten und Schecks.

Quellen und Literatur

  • R. de Roover, L'évolution de la lettre de change: XIVe-XVIIIe siècles, 1953
  • V.A. Simon, Der Wechsel als Träger des internat. Zahlungsverkehrs in den Finanzzentren Südwestdeutschlands und der Schweiz, 1974
  • M. Körner, Solidarités financières suisses au XVIe siècle, 1980
  • LexMA 8, 2086-2089