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Städtebünde

Die aus der Landfriedensbewegung (Landfrieden) erwachsenen Städtebünde waren ― entsprechend den auf ständischer Grundlage gebildeten Adels- oder Ritterbünden, zum Beispiel der Gesellschaft mit St. Jörgenschild (1407), oder auch den landschaftsbezogenen Zusammenschlüssen, zum Beispiel dem Dreiländerbund von 1291 bzw. 1315 (Bundesbriefe) ― organisatorische Zusammenschlüsse einer Mehrzahl von Städten mit dem Ziel, gemeinsame politische Anliegen zu verfolgen. Frühe Formen waren die im 12. Jahrhundert zur Friedenssicherung gebildeten «Gegenrechtsverträge» sowie die gegen die zentralistische Herrschaftsansprüche der Staufer gerichteten lombardische Städtebünde.

Nördlich der Alpen erfuhren die Städtebünde vom 13. Jahrhundert an eine fast inflationäre Entwicklung: Viele entstanden in allen Teilen des Reichs, wechselten häufig die Zusammensetzung, zerfielen oder bildeten sich neu. Der 1243 zwischen Bern und Freiburg geschlossene Städtebund wurde mit rasch wechselnden Partnern fortgesetzt (Burgundische Eidgenossenschaft). Weitere Beispiele mit der Beteiligung von heute schweizerischen Städten sind der Rheinische Städtebund 1254/1257 (u.a. mit Basel, Zürich), der Städtebund der Bodenseestädte 1312 (u.a. mit Zürich, Schaffhausen, St. Gallen), der Südwestdeutsche Städtebund 1327 (u.a. mit Zürich, St. Gallen, Basel, Bern), der Schwäbische Städtebund (1376) oder der Konstanzer Bund (1385).

Über die Friedenswahrung im Interesse von Handel und Verkehr hinaus versuchten die Städtebünde Unzuträglichkeiten im Zoll-, Gerichts-, Steuer- und Münzwesen zu überwinden. Die Reichsstädte wehrten sich insbesondere auch gegen den Integrationsdruck der Fürsten (Schutz vor Verpfändungen durch den Kaiser, Erhaltung der Reichsunmittelbarkeit) und strebten auch nach einer entsprechenden verfassungsmässigen Absicherung. Zudem bewahrten die Städtebünde in Zeiten der Sedisvakanz die Reichsverfassung. So versuchte der Rheinische Städtebund nach dem Zusammenbruch der Staufer die Funktion der Reichsgewalt interimistisch auszufüllen (Interregnum) und die durch den Mainzer Reichslandfrieden von 1235 bestimmte Ordnung wiederherzustellen. Noch der Bundesbrief des Schwäbischen Städtebunds formulierte 1377 das Ziel, dass «das hailig riche gesterket und gemeret werden mag».

Die Städtebünde (oft als coniurationes bezeichnet) entstanden durch einen Eid der Städtevertreter. Sie institutionalisierten sich durch eigene Organe (Bundestage, Ausschüsse, Vororte, Schiedsgerichte) und führten zuweilen eigene Siegel. Ungleichheit der Partner konnte zu einer Integration der Schwächeren führen (z.B. die Bündnisse Berns mit kleineren Städten). Die Bündnisse waren meist befristet (mit Offenhaltung einer Verlängerung), selten unbefristet («ewig»). Die Bündnisverträge folgten in der Regel einem einheitlichen Schema: gegenseitige Hilfeleistung, gemeinsame Verbrechensverfolgung, interne Konfliktbereinigung durch Schiedsgerichte, gelegentlich auch politische Sonderbestimmungen (Existenzsicherung, gemeinsame Reichspolitik). Die Haltung der Reichsgewalt zu den Städtebünden war schwankend, je nachdem, ob sie sich der Hilfe der Städte gegen die Fürsten bedienen wollte oder aber ihre eigene Macht durch die Bündnisse eingeschränkt sah. Ab 1350 lehnte die Reichsgewalt Städtebünde ― die sich damals in einer ausgesprochenen Blütezeit befanden ― ab und bevorzugte grossräumige und gemischtständische Provinzialbünde: Adelige und Städte sollten sich gegenseitig verteidigen und unterstützen. Die Goldene Bulle verwarf die Städtebünde 1356 als conspirationes (Verschwörungen). Im süddeutschen Städtekrieg von 1376-1388 mussten die Städte nach der Niederlage bei Döffingen (Württemberg, 1388) nachgeben und um ihrer Handelsinteressen wegen eine Verständigung suchen. 1389 wurden die Städtebünde im Landfrieden von Eger ganz verboten. Der gleichwohl neu gegründete Schwäbische Städtebund von 1390 konnte seine frühere Bedeutung nicht wiedererlangen. Ebenso blieb der 1390 von König Wenzel genehmigte «Bund der gemeinen Städte um den See» (unter Beteiligung St. Gallens) auf eine örtliche Friedenswahrung beschränkt. Die grossräumigen und gemischtständischen Provinzialbündnisse setzten sich schliesslich 1512 mit der Bildung der Reichskreise durch, in welche die Eidgenossenschaft nicht mehr einbezogen wurde. Insgesamt waren die Erfolge der Städtebünde sehr unterschiedlich; längerfristige politische Bedeutung erlangte nur das eidgenössische Bündnissystem (Eidgenossenschaft).

Quellen und Literatur

  • Die Urk. und Akten der oberdt. Städtebünde, 3 Bde., 1979-2005
  • J. Füchtner, Die Bündnisse der Bodenseestädte bis zum Jahre 1390, 1970
  • Kommunale Bündnisse Oberitaliens und Oberdeutschlands im Vergleich, hg. von H. Maurer, 1987
  • HRG 4, 1851-1857
Weblinks

Zitiervorschlag

Karl Heinz Burmeister: "Städtebünde", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 16.02.2012. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/026420/2012-02-16/, konsultiert am 25.06.2022.