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Josef AntonSchumacher

Porträt des Zuger Ratsherrn, entstanden nach dessen Tod in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts, von Karl Josef Speck (Museum Burg Zug).
Porträt des Zuger Ratsherrn, entstanden nach dessen Tod in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts, von Karl Josef Speck (Museum Burg Zug). […]

10.4.1677 Zug, 6.7.1735 Turin, kath., von Zug. Sohn des Wolfgang, wohlhabenden Bauern und Salzhändlers, und der Barbara Hediger. Maria Anna Rauch, von Diessenhofen. Nach dem Rechts- und Philosophiestudium betätigte sich S. als Salzhändler und Jurist, dessen Kenntnisse bei der Obrigkeit gefragt waren. Er stellte sich aber bald gegen die Elite, v. a. gegen die dominierende, eng mit Frankreich verbundene Fam. Zurlauben. Im 2. Villmergerkrieg 1712 beteiligte er sich führend am tumultuösen Sturz der friedenswilligen Regierung durch die bäuerlich geprägte Kriegspartei. Trotz deren Niederlage wurde er nicht bestraft. 1717 erfolgte S.s Wahl in den Rat. Obwohl er in die lokale Elite aufgestiegen war, sah er sich als Sachwalter des gemeinen Mannes, bei dem der Unmut v.a. aufgrund des franz. Einflusses und der ungleichen Verteilung der Pensionen wuchs. S., der wegen seines frommen Lebenswandels angesehen war und eine grosse Klientel besass, setzte sich an die Spitze der Partei der antifranz. Harten, die 1729 im 1. Harten- und Lindenhandel die Vorherrschaft der Linden um Fidel Zurlauben brachen. Als Stabführer (Vorsteher) der Stadt Zug im jährl. Wechsel, als Tagsatzungsgesandter 1729-34 sowie ab 1731 auch als Ammann erlangte S. eine starke Position. Das rigide Regime, der Bruch mit Frankreich 1733, der Verlust der Einkünfte aus Pensionen und Salzhandel sowie die missglückte Annäherung an Österreich führten aber bald zum Sturz der Harten. S. wurde 1735 u.a. wegen Landesverrats auf ewig verbannt und zur Galeere verurteilt. Er starb auf dem Weg zum Strafvollzug. Der Aufstieg und Fall von S., der wegen seines düsteren Aussehens als "schwarzer S." bekannt war, wurde mehrmals historisch und literarisch dargestellt.

Quellen und Literatur

  • J. Spillmann, Der schwarze S., 1903 (Neudr. 1976)
  • F. Brändle, Demokratie und Charisma, 2005
  • F. Brändle, «Josef Anton S. (1677-1735)», in SZG 61, 2011, 454-473
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