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RobertFrank

9.11.1924 Zürich, isr., ab 1945 von Zürich. Sohn des Hermann, Geschäftsmannes aus Frankfurt am Main, und der Regina Zucker, von Basel. 1) Mary Lockspeiser, 2) June Leaf. Sekundarschule in Zürich. 1941-46 lernte und arbeitete F. bei den Fotografen Hermann Segesser und Michael Wolgensinger in Zürich, bei Victor Bouverat in Genf und bei den Gebrüdern Eidenbenz in Basel; nebenbei Standfotograf für Filme. 1947 wanderte F. nach New York aus (ab 1963 amerikan. Staatsbürger). Arbeitete kurz bei "Harper's Bazaar", um dann als freier Fotograf für versch. Auftraggeber (u.a. "Life") zwischen Europa, Süd- und Nordamerika zu pendeln. Er unterstützte Edward Steichen, Fotograf und Direktor des Photography Department im Museum of Modern Art in New York, bei den Ausstellungen "Post-War European Photography" (1953) und "The Family of Man" (1955) . Dank eines Stipendiums der Guggenheim-Stiftung konnte er 1955-56 auf mehreren Reisen durch die USA seine "visuelle Studie einer Zivilisation" machen. Die Bilder stiessen anfänglich auf Ablehnung, da sie das positive Amerika-Bild unterwanderten und sich über den gängigen fotograf. Kanon hinwegsetzten. F.s vermeintl. Stillosigkeit und unerbittl. Beschreibung alltägl. Tristesse haben aber die Nachkriegsfotografie in Amerika wie Europa nachhaltig geprägt. Eine Auswahl der 20'000 Aufnahmen wurde zuerst 1958 in Frankreich unter dem Titel "Les Américains" veröffentlicht, 1959 in Amerika mit einer Einleitung des Beat-Poeten Jack Kerouac. Mit ihm drehte F. im gleichen Jahr seinen ersten Film "Pull my Daisy", eine Schilderung der amerikan. On-the-Road-Generation. 1961 folgte eine erste Einzelausstellung im Art Institute of Chicago. In den 1960er und 1970er Jahren beschäftigte F. sich v.a. mit experimentellem Film. Er gründete u.a. mit Jonas Mekas die New American Cinema Group (1960). Es entstanden über 25 Filme, sehr oft mit autobiogr. Einschlag. 1972 kam "Lines of My Hand", eine Art fotograf. Autobiografie, heraus. Gegen Ende der 1970er Jahre wandte sich F. auch wieder der Fotografie zu (Collagen und Polaroidbilder), die sich nun v.a. auf sein persönliches, vom Schicksal hart geprüftes Leben konzentrierte. Diese Bilder standen in der melancholisch-grüblerischen Stimmung und der unkonventionellen Form den frühen in nichts nach. Einen grossen Teil seines Werkes schenkte F. 1990 der National Gallery of Art in Washington, die ihn 1994 mit einer Retrospektive als wichtigsten Fotografen unserer Zeit ehrte. Die Ausstellung wurde u.a. 1995 auch in Zürich gezeigt. 2004 widmete ihm die Tate Modern Gallery in London eine grosse Einzelausstellung, die anschliessend in versch. europ. Städten, u.a. in Winterthur, gezeigt wurde. F. lebt heute in New York und Mabou (Nova Scotia, Kanada).

Quellen und Literatur

  • Photographie in der Schweiz von 1840 bis heute, 1992, (mit Werkverz.)
  • Robert F. - Moving Out, 1994
  • Robert F.: Hold Still - Keep Going, Ausstellungskat. Essen, 2000
  • Robert F.: Storylines, Ausstellungskat. London, 2004
  • G. Magnaguagno, «Ambivalenz und Sehnsucht: Robert F. (∗︎ 1924)», in Small number - big impact, Schweizer Einwanderung in die USA, hg. von B. Abegg, B. Lüthi, 2006, 119-124
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