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Welsche

Im allg. Sinn werden aus der rom. Sprach- und Kulturtradition stammende Personen als W. bezeichnet. Der Begriff geht auf den kelt., später romanisierten Stamm der Walhen (lat. Volcae) zurück, der in westl. Nachbarschaft der Germanen lebte, und ist in allen deutschsprachigen Regionen mit rom. Nachbarn gebräuchlich. In der Deutschschweiz kommt das Element Walh- auch in Namen vor, etwa bei Walensee und Walenstadt, die sich im FrühMA im rät.-alemann. Grenzgebiet befanden. Die Bezeichnung W. wurde je nach räuml. und zeitl. Situation anders verwendet, z.B. auch für alles Fremde oder Unverständliche (Kauderwelsch), und zur ethn. Bedeutung traten stereotype Vorurteile. So galten die W.n früher aus dt. Sicht als lebenslustig, manchmal auch als oberflächlich oder gar falsch (Rotwelsch). Die so Bezeichneten reagieren deshalb teilweise negativ darauf, obwohl der Begriff zumindest in der Schweiz grundsätzlich neutral verwendet wird. In der Schweiz wurden ursprünglich drei Ethnien so genannt: die Rätoromanen oder Churwelschen aus der Perspektive Deutschbündens, die Tessiner aus der Perspektive der Zentralschweiz und die französischsprachigen Westschweizer aus der Perspektive der Deutschschweiz. In der Berner Verwaltung erschien das Wort welsch zur Bezeichnung der neuen Waadtländer Vogteien (1541 Welschland, 1558 amtlüth des weltschen lannds), was die Verwendung des Begriffs nachhaltig förderte. Seit dem 19. Jh. sind abgesehen von lokalen Mundartrelikten mit W.en nur noch französischsprachige Schweizer gemeint, was auch in den Begriffen Welschland und Welschlandjahr deutlich wird (Suisse romande). In der Form welsch(e) oder welche fand die Bezeichnung inzwischen in der Schweiz auch Eingang ins Französische.

Quellen und Literatur

  • L. Weisgerber, «Walhisk. Die geschichtl. Leistung des Wortes welsch», in Rhein. Vierteljahrsbl. 13, 1948, 87-146
  • Idiotikon 15, 1583-1607
  • Dictionnaire suisse romand, hg. von P. Knecht, 1997, 735 f.
  • ZAK 60, 2003, H. 1-2 (Sondernr.)