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Standeskommission

Im 20. und zu Beginn des 21. Jh. Bezeichnung für die Kantonsregierung von Appenzell Innerrhoden. Der Begriff nimmt Bezug auf die S.en, die während der Helvetik und der Mediation in mehreren Kantonen eingerichtet wurden. In Appenzell Innerrhoden kam es erst mit der Kantonsverfassung von 1872 zur Bildung einer neunköpfigen S. Seit 1996 zählt die S. nur noch sieben Mitglieder. Entgegen dem Prinzip der Gewaltenteilung gehörten bis 1994 die Vertreter dem Kantonsparlament (Gr. Rat) an. Zudem verfügte die S. lange über richterl. Befugnisse, so war sie bis 2010 Vollzugsbehörde für richterl. Urteile und ab 1883 bis 1949 bzw. 1983 Kassationsbehörde für letztinstanzl. Zivil- und Strafurteile. Seit 2000 ist sie Rekursinstanz in der internen Verwaltungsrechtspflege.

Im Kt. Graubünden bestand 1814-92 eine neunköpfige S. Sie wurde vom Gr. Rat gewählt, hatte dessen Geschäfte vorzubereiten und besass exekutive und richterl. Befugnisse. Auch in den ehem. Landsgemeindekantonen Glarus und Appenzell Ausserrhoden hat es im 19. Jh. S.en gegeben. In Glarus wurde der elfköpfige Vollziehungsausschuss 1836-87 vom Landammann präsidiert, er verfügte aber lediglich über beschränkte Kompetenzen. 1858-76 wurde in Appenzell Ausserrhoden die Kantonsregierung als S. bezeichnet, ihre sieben Mitglieder gehörten von Amtes wegen wie in Innerrhoden dem Gr. Rat an.

Quellen und Literatur

  • A. Huber-Schlatter, Polit. Institutionen des Landsgem.-Kt. Appenzell Innerrhoden, 1987, 259-334
  • A. Kölz, Neuere schweiz. Verfassungsgesch. 2, 2004