de fr it

EugèneMichaud

13.3.1839 Pouilly-sur-Saône (Burgund), 3.12.1917 Bern, kath., dann christkath., ab 1879 von Epiquerez. Sohn des Claude-Henry und der Anne-Marie geb. Mahet. 1879 Sophie Brühl, Tochter des Louis. Verwurzelt im liberalen franz. Katholizismus des 19. Jh. und beeinflusst von Henri Lacordaire, war M. 1860-64 Mitglied des Dominikanerordens. Einer breiten Öffentlichkeit wurde er als Prediger an der "Madeleine" in Paris bekannt. Wegen der beiden auf dem 1. Vatikan. Konzil durchgesetzten Papstdogmen (Universalprimat, Lehrunfehlbarkeit) trennte er sich 1872 von Rom. Bestärkt vom theol. Kopf der altkath. Opposition, Ignaz von Döllinger, bei dem er 1867 in München promoviert hatte, und von dem zur russ.-orthoxen Kirche übergetretenen Wladimir Guettée setzte sich M. u.a. in zehn rasch geschriebenen polem. Büchern mit dem röm. System der kath. Kirche auseinander: Er entwickelte ein Programm der Reform auf der Grundlage der Prinzipien der "ungeteilten Kirche der sieben ökumen. Konzile", wie er sie in der Ostkirche am ehesten verkörpert sah. 1876-1915 war er Prof. für Dogmatik und Kirchengeschichte an der christkath. Fakultät der Univ. Bern, von 1889 an lehrte er dort ausserdem auch franz. Sprache und Literatur an der philosoph. Fakultät (1892-93 Rektor). Enge Beziehungen pflegte M. zur russ. Orthodoxie (besonders zum Laientheologen Aleksandr Kirejew). Seine Reformanliegen brachte er später in die von ihm mit orthodoxen, anglikan. und altkath. Mitarbeitern herausgegebene "Revue internationale de théologie" (1893-1910) ein, ein monumentales Kompendium für Fragen der Union zwischen Ost- und Westkirche. In den letzten Lebensjahren verfasste M. religionsphilosoph. Werke ohne scharfe Konturen.

Quellen und Literatur

  • SLA, Nachlass
  • R. Dederen, Un réformateur catholique au XIXe siècle, 1963, (mit Werkverz.)
  • H. Aldenhoven, «M.», in Gegen die Gottvergessenheit, hg. von S. Leimgruber, M. Schoch, 1990, 506-512
Weblinks
Normdateien
GND
VIAF