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Teilbau

Halbpacht

In der Pachtform des T.s (franz. métayage, bail à fruit, ital. campatico) überlässt der Verpächter dem Pächter eine Sache zur Nutzung, wobei Aufwand und Ertrag in einem bestimmten Verhältnis geteilt werden. Weitaus häufigste Erscheinungsform ist die Halbpacht (ital. mezzadria), d.h. eine 50%-Beteiligung.

Von Italien und Frankreich her breitete sich der T. spätestens vom 13. Jh. an im Gebiet der Schweiz aus. Diese Entwicklung steht im Zusammenhang mit einer stärkeren Einflussnahme städt. Investoren (Stadt-Land-Beziehungen) auf die Landwirtschaft. Betroffen waren v.a. die kapitalintensiven und zunehmend marktorientierten Bereiche des Weinbaus und der Viehwirtschaft. Im Ackerbau spielte der T. dagegen eine untergeordnete Rolle; in der Westschweiz (grangeage) und im südl. Tessin kam er häufiger vor als in der Deutschschweiz. Auch in traditionellen grundherrschaftl. Leihebeziehungen gelangte der T. im SpätMA vermehrt zur Anwendung. Die T.-Verträge im Rebbau, die sog. Halbrebenverträge (in der Westschweiz vignolage), regelten den Unterhalt von Gebäuden und Rebgeländen (Mauern, Gräben, Pflege der Reben etc.), die Aufwendungen für Dünger und Stickel, Transport, Kelterung und Lagerung des Weins, v.a. aber die Teilung der Weinernte. Angesichts der starken Ertragsschwankungen verzichtete der Verpächter in schlechten Jahren oft auf seinen Anteil und gewährte eine sog. Hilfe; in guten Jahren schöpfte er umso mehr ab.

Nach einer Expansionsphase im SpätMA war der T. in der frühen Neuzeit in allen grösseren Rebgebieten der Schweiz verbreitet. Seit dem 18. Jh. ist er, u.a. zugunsten von Pachten zu festem Zins, weitgehend verschwunden, wird aber z.B. von der Stadt Lausanne und vom Kt. Freiburg auf ihren Domänen am Genfersee weiterhin praktiziert. Eine dem T. verwandte Pachtform ist die Viehverstellung.

Quellen und Literatur

  • R. Scheurer, «Mode d'exploitation et rendement d'une "grange" au XIVe siècle», in MN, 1982, 125-133
  • Les 450 vendanges des vignobles de la ville de Lausanne, Ausstellungskat. Lausanne, 1987, 161-173
  • S. Guzzi, «Die Tessiner Agrarsysteme um 1800», in Die Agrarzonen der Alten Schweiz, hg. von A. Schluchter, 1989, 105
  • A. Zangger, Grundherrschaft und Bauern, 1991, 397-402, 509-518
  • D. Zumkeller, Le paysan et la terre, 1992, 207-215