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Viktor PlatonowitschWassilieff

wahrscheinlich 1887, nach 1908. Russischer Revolutionär adliger Herkunft. Anfang 1906 ermordete Viktor Platonowitsch Wassilieff im Auftrag der russischen Sozialrevolutionäre den Polizeichef der Stadt Pensa. Nach der Festnahme gelang ihm die Flucht in die Schweiz. Im Februar 1908 wurde er in Genf verhaftet. Wassilieff verstand seine Tat als Notwehr gegen das repressive Regime in seiner Heimat. Das Auslieferungsgesuch der russischen Regierung führte in der schweizerischen Öffentlichkeit zu einer asylpolitischen Debatte. Während die Gegner einer Auslieferung den politischen Charakter der Tat Wassilieffs und die Tradition des schweizerischen politischen Asyls betonten, billigte das Bundesgericht am 13. Juli 1908 die Auslieferung wegen gemeinen Totschlags. Gegen diesen Entscheid protestierten Exponenten der Arbeiterbewegung. Ende 1908 wurde Wassilieff in Russland zu zehn Jahren Zwangsarbeit verurteilt.

Quellen und Literatur

  • Entscheidungen des schweiz. Bundesgerichts 34/I, 1908, Nr. 88
  • J. Pleiss, «Die Schweiz und die Auslieferung polit. Flüchtlinge aus dem europ. Osten», in Asyl und Aufenthalt, hg. von M. Bankowski et al., 1994, 81-106
Weblinks
Kurzinformationen
Lebensdaten ∗︎ wahrscheinlich 1887 ✝︎ nach 1908

Zitiervorschlag

Peter Collmer: "Wassilieff, Viktor Platonowitsch", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 21.12.2011. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/027616/2011-12-21/, konsultiert am 29.02.2024.