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Roggen

Der R. (secale cereale), eine Kulturpflanze Kleinasiens, verbreitete sich in der Schweiz v.a. zur Römerzeit. Älteste Vorratsfunde von R. finden sich daher im Bereich röm. Kolonien, u.a. in Augusta Raurica. Im Eigenamt, am Zusammenfluss von Aare, Reuss und Limmat, hielt sich R. als Wintergetreide (siligo) am längsten, bis ihm der Dinkel im HochMA den Rang ablief. Anspruchslos, winterhart und resistent gegen Nässe und Trockenheit war R. vom MA an die wichtigste Brotfrucht der inneralpinen Trockentäler, der, selbst in grossen Höhen (u.a. in Zermatt bis 2000 m) angebaut, gute Erträge abwarf. Die im Wallis, Engadin und Vinschgau aus R. hergestellten Fladenbrote sind als besonders haltbar bekannt.

Im Kornbaugebiet des schweiz. Mittellands, insbesondere im Aargau, ersetzte Sommerroggen ab dem 15. und 16. Jh. den Hafer auf der Sommerzelg. Die starken, langen Halme des R. verwendete man für die Strohdächer, zum Aufbinden der Reben und, grün geschnitten, zur Strohflechterei. Unter den Brotgetreiden wies der R. zwar die geringste, jedoch bis in die 1930er Jahre eine ziemlich konstante Anbaufläche auf, bis auch er vom Weizen verdrängt wurde. Der Flächenanteil von R. am schweiz. Getreidebau betrug um 1885 15%, 1911-20 15%, 1931-40 13%, 1951-60 8%, 1971-80 5%, 1985 2%, 2000 2%; der Flächenanteil von R. beim Brotgetreide 1985 4%, 2000 2%.

Quellen und Literatur

  • Statist. Erhebungen und Schätzungen über Landwirtschaft und Ernährung, 1960-
  • C. Pfister, Bevölkerung, Klima und Agrarmodernisierung 1528-1860, 21985, 35-37, 65 f.
  • K.-E. Behre, «The History of Rye Cultivation in Europe», in Vegetation History and Archaeobotany 1, 1992, 141-156