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Kulturstiftungen

Eine Kulturstiftung ist eine Anstalt meist privaten, seltener öffentl. Rechts, wobei ihr Rechtssubjekt wie bei allen Stiftungen ein zweckgebundenes Vermögen ist. Gemeinnützige Stiftungen ohne Gewinnorientierung werden auf Antrag von der Schenkungs- und Vermögenssteuer befreit. Die K. bilden vor den Gem., Kantonen und dem Bund die erste Säule des subsidiär organisierten Vier-Säulen-Modells der Schweizer Kulturpolitik. Die Anzahl der K. wird in der Schweiz auf rund 1'500 geschätzt. Im internat. Vergleich ist dies prozentual zur Bevölkerung eine recht hohe Zahl, wobei es jedoch weniger finanzstarke K. gibt als in den USA oder Deutschland. Zu unterscheiden sind einerseits die 500-600 Trägerschaftsstiftungen, die selbst kulturelle Aktivitäten betreiben, und andererseits die Vergabungsstiftungen, die Kulturschaffende mit finanziellen Mitteln unterstützen. Eine Sonderform sind Stiftungen mit eigener Sammlung, die einem Museum zur Präsentation überlassen wird (Museen).

K. sind ein Ausdruck bürgerl. Mäzenatentums in der Nachfolge kirchl. und adeliger Gönner und Auftraggeber. Ihre Entwicklung lief parallel zum Ausbau des modernen Sozialstaats und ist Ausdruck der philanthrop. Gesinnung grossbürgerl. Persönlichkeiten (Christoph-Merian-Stiftung, 1886; Eidg. Gottfried Keller-Stiftung, 1890; Schweiz. Schillerstiftung, 1905; Ulrico-Hoepli-Stiftung, 1911). Einen grossen Aufschwung erhielten die Stiftungen durch das 1912 erfolgte Inkrafttreten des Zivilgesetzbuchs, das ihnen in liberaler Regelung eine eigene Rechtsfähigkeit zuerkannte. K. wurden in der Zwischenkriegszeit zumeist von privater Seite gegründet (Martin-Bodmer-Stiftung, 1921; Charles-Gleyre-Stiftung, 1927). In der beginnenden Hochkonjunktur nach dem 2. Weltkrieg gewannen die K. an Bedeutung. Noch in der Gedankenwelt der Geistigen Landesverteidigung wurzelnde Bestrebungen nach Pflege und Erhalt des Schweizer Kulturerbes führten zu Gründungen eidg. und kant. Stiftungen (Stiftung Pro Helvetia, 1949; Innerschweiz. Kulturstiftung, 1951; Pro Argovia, 1952). In den 1950er und 60er Jahren begann auch die Privatwirtschaft in Form von Jubiläumsstiftungen ihre kulturpolit. Verantwortung wahrzunehmen (Volkart-Stiftung, 1949; Jubiläumsstiftung Schweiz. Bankgesellschaft, 1962, 1997 mit der 1972 gegr. Jubiläumsstiftung Schweiz. Bankverein zur UBS-Kulturstiftung vereinigt; Johann-Jakob-Rieter-Stiftung, 1963; Zuger Kulturstiftung Landis & Gyr, 1971; Fondazione del Centenario della Banca della Svizzera Italiana, 1973; Zürich-Vita-Alpina-Jubiläumsstiftung, 1973; Jubiläumsstiftung Credit Suisse, 1981). Damit trat sie immer mehr an die Stelle von Privatpersonen, die jedoch auch nach dem 2. Weltkrieg einige bedeutende, meist international tätige Stiftungen (Goethe-Stiftung für Kunst und Wissenschaft, 1945; Sophie-und-Karl-Binding-Stiftung, 1961; Stanley-Thomas-Johnson-Stiftung, 1969; Ernst-Göhner-Stiftung, 1971; Georges-und-Jenny-Bloch-Stiftung, 1977; Doron-Preis-Stiftung, Zug, 1986; Albert-Koechlin-Stiftung, 1997) und zahlreiche Künstlerstiftungen einrichteten, die sich der Pflege des Werkes eines bestimmten Künstlers widmen. Der Kulturboom der 1970er Jahre führte im Laufe des Jahrzehnts zu einer wachsenden Anzahl individuell agierender Stiftungen. Dieser zunehmenden Unübersichtlichkeit im Kulturstiftungswesen wurde 1980 mit der Gründung der Schweiz. Arbeitsgemeinschaft kultureller Stiftungen entgegengetreten, als deren Nachfolgeorganisation seit 2001 die SwissFoundations fungiert. 1990 rief man in Basel die Arbeitsgemeinschaft für gemeinnützige Stiftungen ins Leben, die die gemeinsamen Interessen von Stiftungen vertritt (heute proFonds, Dachverband gemeinnütziger Stiftungen der Schweiz).

Quellen und Literatur

  • H.M. Riemer, Die Stiftungen, 1975
  • B. Hahnloser, «Recht, Sammler und Museen», in Museen der Schweiz, hg. von N. Flüeler, 1981, 318-325
  • N. Herger, Private Kunstförderung, 1996
  • Hb. der öffentl. und privaten Kulturförderung in der Schweiz, 2000
  • R. Purtschert et al., Visions and Roles of Foundations in Europe, 2003
  • J. Hesse, K. in der Schweiz, 2004