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Paul vonKrüdener

31.1.1784 Mitau (Jelgava), 10.2.1858 Bern, lutherisch, aus Kurland. Sohn des Burkard von Krüdener, russischen Botschafters in Venedig, Kopenhagen und Berlin, und der Barbara Juliane von VietinghoffMarguerite König, Tochter des Albrecht König, Handwerkers, und der Maria zum Bach (oder Zumbach), von Münchenbuchsee. In Berlin, wo sein Vater im Amte starb, arbeitete Paul von Krüdener als Botschaftssekretär. Er war 1805-1806 in St. Petersburg im Aussenministerium tätig, von wo er 1807 nach Paris versetzt wurde. Dort verblieb er bis 1813 im Amt. Als man ihn eines Komplotts beschuldigte, floh er vor Napoleon in die Schweiz und wurde 1814 Mitarbeiter von Ioannes Antonios Kapodistrias in Zürich. Als dieser zum Wiener Kongress reiste, gelang es Krüdener, das restaurative Bern zur Teilnahme an der sogenannten langen Tagsatzung (6. April 1814-31. August 1815) zu bewegen. 1816-1827 wirkte Krüdener als russischer Geschäftsträger in Bern und schaffte es 1817, den neutralen Staatenbund in die Heilige Allianz zu führen. Den antiliberalen Druck der Ostmächte (Presse- und Fremdenconclusum 1823) trug der helvetophile Krüdener nur halbherzig mit. Nach der Mission in Washington 1827-1836 kehrte er nach Bern zurück, wo er den eskalierenden Machtkampf zwischen radikalen und konservativen Kantonen, den Sonderbundskrieg und den jungen Bundesstaat aufmerksam beobachtete und mässigend beeinflusste. Dem Mediationsangebot der Grossmächte und ihrer Einmarschdrohung nach der katholisch-konservativen Niederlage (1847-1848) schloss sich Krüdener wie die britische Diplomatie nicht an. Im Konflikt um Neuenburg (1856-1857) trugen seine Interventionen bei Bundespräsident Jakob Stämpfli und bei Constant Fornerod dazu bei, dass Zar Alexanders II. mässigender Einfluss Preussen zur Verständigung mit der Schweiz bewog.

Quellen und Literatur

  • Diplomatische Dokumente der Schweiz, Bd. 1 (1848-1865), 1990.
  • Fleury, Antoine; Tosato-Rigo, Danièle (Hg.): Schweiz – Russland. Aufbau und Krisen der Beziehungen 1813-1955. Dokumente aus dem Archiv des russischen Ministeriums für auswärtige Angelegenheiten und dem Schweizerischen Bundesarchiv, 1994.
  • Ley, Francis: La Russie. Paul de Krüdener et les soulèvements nationaux 1814-1858 (d'après de nombreux documents inédits), 1971.
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Kurzinformationen
Variante(n)
Paul de Krüdener
Lebensdaten ∗︎ 31.1.1784 ✝︎ 10.2.1858

Zitiervorschlag

Rolf Stücheli: "Krüdener, Paul von", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 25.10.2021. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/028518/2021-10-25/, konsultiert am 30.01.2023.