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Sense

Medaillon aus der Rosette der Kathedrale von Lausanne mit der Darstellung des Monats Juli. Glasscheibe, geschaffen zwischen 1205 und 1232 (Fotografie Claude Bornand).
Medaillon aus der Rosette der Kathedrale von Lausanne mit der Darstellung des Monats Juli. Glasscheibe, geschaffen zwischen 1205 und 1232 (Fotografie Claude Bornand).

Die Sense ist ein Erntegerät, das ursprünglich hauptsächlich zum Mähen von Gras Verwendung fand, während für das Getreide vor allem Sicheln eingesetzt wurden (Ernte). Funde lassen darauf schliessen, dass sich kurzstielige, hakenförmige Sensen schon zur Hallstattzeit (800-480 v.Chr.) aus der Hakensichel entwickelt haben. Darstellungen von langstieligen, noch heute gebräuchlichen Sensen finden sich auf mittelalterlichen Monatsbildern. Ausserdem galt die Sense lange Zeit als Attribut des Todes.

Das schwach gebogene, armlange Sensenblatt der Sense ist an einem langen, mit zwei Handgriffen versehenen, geraden oder leicht geschwungenen Holzstiel (Sensenbaum) befestigt. Wie die Sichel wurde die Sense durch Dengeln (Hämmern) vor und durch Wetzen während der Arbeit geschärft. Die Produktion des Blattes lag in der Deutschschweiz vom Mittelalter bis ins 18. Jahrhundert als Monopol bei spezialisierten städtischen Sensenschmieden (Segenser). In der Stadt Luzern wurde die Sensenfabrikation von der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts bis ins 16. Jahrhundert zum namhaften Exportgewerbe, ebenso in der Stadt Freiburg ab dem Ende des 14. Jahrhunderts. Im Kampf gegen günstigere Erzeugnisse aus dem süddeutschen Raum, die als Luzerner Sensen ausgeführt wurden, führte die Obrigkeit ab 1417 eine verschärfte Qualitätskontrolle ein. Die Schmiede mussten einen Eid auf die anerkannte Legierung und die persönliche Fabrikationsmarke ablegen. Ab 1429 versah man die vor allem für die Westschweiz und die Genfer Märkte bestimmte geprüfte Exportware zusätzlich mit dem Stadtwappen. Der Markthandel mit Sensenblättern, zum Transport in Fässchen verpackt, lag in der Hand der städtischen Eisenhändler. Verzollt wurden die Blätter per Hundert (Zolltarife u.a. im Habsburgischen Urbar), verkauft aber nach Gewicht (Zürich 1319). Ein bedeutender Sensenhersteller in der Westschweiz waren die 1783 gegründeten Forges du Creux (Gemeinde Ballaigues), die im 20. Jahrhundert in die ganze Schweiz lieferten (1956 geschlossen).

Erst als ländliche Arbeitskräfte ab den 1860er Jahren knapper und teurer wurden, setzte sich in der Schweiz für die Ernte die mit einem Bügel zur Ablage des gemähten Getreides versehene Kornsense durch. Eine Ausnahme bildete das Engadin, wo die Sense schon im Ancien Régime zur Ernte eingesetzt wurde. Dies ist unter anderem damit zu erklären, dass mit dem Stroh eine grössere Menge an Futter für den starken Zugviehbestand gewonnen wurde. Spezielle Sensen wie die Rüt- oder Staudensense zum Roden von Gebüsch hielten sich in der Deutschschweiz bis ins 19. Jahrhundert. Im 20. Jahrhundert von Erntemaschinen verdrängt, wird die Sense heute für kleinere Arbeiten, vor allem für den kleinflächigen Grasschnitt, benützt. Mit der Sense als Erntegerät verschwand auch die Segensehenki, das üppige Erntedankmahl, das die Bauern zum Ende der Ernte ihren Arbeitern stifteten.

Quellen und Literatur

  • Idiotikon 7, 472-476
  • A.-M. Dubler, Handwerk, Gewerbe und Zunft in Stadt und Landschaft Luzern, 1982, 147-149
  • M. Lemmenmeier, Luzerns Landwirtschaft im Umbruch, 1983, 64-68
  • N. Morard, «La métallurgie du fer à Fribourg aux XIVe et XVe siècles», in Abbaye des Maréchaux: Fribourg 1385-1985, 1984, 61-78
  • LexMA 3, 2180-2183
Weblinks

Zitiervorschlag

Anne-Marie Dubler: "Sense", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 18.12.2012. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/028683/2012-12-18/, konsultiert am 25.05.2024.