de fr it

Kriminologie

K. heisst die Erfahrungswissenschaft von den Ursachen und Formen der Kriminalität, den Personen, die zu Rechtsbrechern werden, der Kriminalisierung und der sozialen Kontrolle. Die K. liefert als Kriminalphänomenologie eine Tat-, als Kriminalätiologie eine Tätertypologie. Die Disziplin ist, trotz Erfolgen in der soziopsycholog. Delinquenzforschung, eine Domäne universitärer strafrechtl. Lehrstühle geblieben. An der Univ. Lausanne besteht seit 1954 ein eigener Lehrstuhl für K. Ausseruniversitäre Forschungsinstitutionen gibt es wenige. Die 1942 gegr. Kriminalistische Gesellschaft und die 1972 entstandene Arbeitsgruppe für K. pflegen den wissenschaftl. Austausch.

Die K. wird historisch unterschiedlich definiert und kennt versch. Ausprägungen. Ihre Geschichte beginnt im 15. Jh. mit rechtsmedizin. Analysen. Von einer Verwissenschaftlichung kann erst ab 1870 gesprochen werden. Ihre kriminalbiolog. Spielart wurde in der Schweiz erst um 1900 und nur in Zürich rezipiert. Die dogmat. Strafrechtslehre, die mit der K. institutionell verknüpft ist, definierte diese bis in die 1970er Jahre als ihre empir. Hilfswissenschaft. Das positivist. Verhältnis von Strafrecht und K. bleibt von prakt. Fragen des Strafvollzugs, der Rechtsvereinheitlichung und der Kriminalistik, d.h. der polizeil. und untersuchungsrichterl. Tataufklärung, dominiert. Seit den 1950er Jahren wirkt sich das methodolog. Spannungsverhältnis von normativer und empir. Wissenschaftlichkeit lähmend auf den Forschungsbetrieb aus. Kriminalsoziolog. Belebungsversuche blieben in den 1970er Jahren wirkungslos. Nach 1980 weichen phänomenolog. und ätiolog. Betrachtungsweisen einer strukturellen Analyse von Devianz, Normgenese und Kriminalisierungsprozessen. In jüngster Zeit wird v.a. der Erforschung von Drogen- und Wirtschaftskriminalität viel Gewicht beigemessen.

Quellen und Literatur

  • S. Bauhofer, «K. in der Schweiz ― Stand und Entwicklung», in Schweiz. Zs.f. Strafrecht 97, 1980, 145-174
  • M. Killias, «Neuere Tendenzen in der Schweiz. K.», in Kriminolog. Forschung in den 80er Jahren, hg. von G. Kaiser et al., 1988, 83-108