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Karl der Kühne

10.11.1433 Dijon, 5.1.1477 Nancy. Einziger legitimer Sohn Herzog Philipps des Guten aus der burgundischen Linie des Hauses Valois und der Isabella von Portugal. 1) 1438 Katharina von Frankreich, Tochter König Karls VII., 2) 1454 Isabella von Bourbon, Tochter Herzog Karls I., 3) 1468 Margarete von York, Tochter Herzog Richard Plantagenets, Prinzen von England. Karl der Kühne wuchs in den burgundischen Niederlanden auf. Seine kompromisslose Haltung gegenüber Frankreich führte von 1457 an zum Konflikt mit dem eher auf Ausgleich bedachten Vater. Nach der Versöhnung mit dem Vater 1464 übernahm Karl der Kühne 1465 die Generalstatthalterschaft; 1467 wurde er regierender Herzog von Burgund. Karls Ziele waren die Schaffung eines stehenden Söldnerheeres, die Zentralisierung der inneren Verwaltung sowie die territoriale Verbindung der Hausmacht im Süden mit seinen prosperierenden Herrschaften in Flandern, Brabant und den Niederlanden.

Abbildung aus der Eidgenössischen Chronik von Werner Schodeler, 1572 kopiert von Christoph Silberysen (Aargauer Kantonsbibliothek, Aarau, MsWettF 16: 2, Fol. 40v; e-codices).
Abbildung aus der Eidgenössischen Chronik von Werner Schodeler, 1572 kopiert von Christoph Silberysen (Aargauer Kantonsbibliothek, Aarau, MsWettF 16: 2, Fol. 40v; e-codices). […]

Mit dem Vertrag von Saint-Omer, in dem Herzog Sigismund von Österreich Karl Gebiete im Elsass und am Oberrhein als Pfand überliess, wurde Burgund 1469 zum nördlichen Nachbarn Berns, Solothurns, Freiburgs und Basels. Diese Städte fühlten sich durch den wachsenden Einfluss Karls im westlich angrenzenden Mittelland bedroht. Im Herbst 1473 versuchte er für die burgundischen Reichslehen den Status eines unabhängigen Königreichs zu erlangen und seine Tochter Maria mit Maximilian, dem Sohn Kaiser Friedrichs III., zu verheiraten; die Verhandlungen scheiterten aber zunächst. Ab 1474 wurde Karls politische und strategische Lage zunehmend schwieriger. Am Niederrhein kämpfte er um die kölnischen Stiftslande; dies brachte ihm zwischenzeitlich die Gegnerschaft des Kaisers ein. Die eidgenössischen Orte schlossen sich in der Ewigen Richtung sowie der Niederen Vereinigung mit Herzog Sigismund und den elsässischen Städten zu einer antiburgundischen Liga zusammen. Gleichzeitig eskalierten die Feindseligkeiten im Elsass. Die Kriegserklärung der Eidgenossenschaft erreichte Karl den Kühnen am 26. Oktober 1474 während der Belagerung der Stadt Neuss am Niederrhein. Im Frühling 1475 schloss Kaiser Friedrich III. Frieden mit Karl dem Kühnen, die Verhandlungen über die Ehe zwischen Maximilian und Karls Tochter wurden wieder aufgenommen. Nach der Aufgabe der Belagerung von Neuss unterwarf Karl der Kühne in der zweiten Jahreshälfte das Herzogtum Lothringen. Bern und Freiburg waren 1475 ihrerseits tief in die Waadt, die grösstenteils zu dem mit Karl verbündeten Savoyen gehörte, vorgestossen; Karl antwortete 1476 mit einem direkten Angriff auf die beiden Städte. In den Schlachten bei Grandson (2. März 1476) und Murten (22. Juni 1476) wurde er von den Eidgenossen und deren Verbündeten geschlagen, ebenso in der Schlacht bei Nancy (5. Januar 1477), nach der er selbst den Tod fand. Der Ausgang der Burgunderkriege veränderte das mitteleuropäische wie das innereidgenössische Machtgefüge. Das Haus Habsburg sicherte sich durch den Eheschluss zwischen Maximilian und Karls Tochter Maria (19. August 1477) den grössten Teil des burgundischen Erbes. Innerhalb der Eidgenossenschaft gewann Bern infolge der Öffnung nach Westen weiter an Gewicht.

Quellen und Literatur

  • W. ParaviciniKarl der Kühne 1976
  • K. Schelle, Charles le Téméraire, 1979
  • P. Contamine, Des pouvoirs en France (1300-1500), 1992, 87-98
  • P. Gresser, Le crépuscule du Moyen Âge en Franche-Comté, 1992
Weblinks
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Kurzinformationen
Lebensdaten ∗︎ 10.11.1433 ✝︎ 5.1.1477

Zitiervorschlag

Franziska Hälg-Steffen: "Karl der Kühne", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 26.08.2008. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/029226/2008-08-26/, konsultiert am 30.01.2023.