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SalomonKitt

1.1.1744 Zürich, ab ca. 1825 im Gebiet der heutigen USA verschollen, reformiert, von Zürich. Kaufmann, der als einer der ersten Schweizer in der Karibik mit Waren aus den Kolonien und Textilien aus seinem Heimatland handelte und später in den USA mit Boden spekulierte.

Salomon Kitt entstammte der seit 1535 in Zürich eingebürgerten Familie Kitt. Er war der Sohn des Hans Martin Kitt (1701-1761), der als Sensal (Makler) für das Kaufmännische Direktorium amtierte, und der Margaretha Meyer. Der Grossvater Hans Martin Kitt (1658-1741) hatte mit seinen Schwägern, den Gebrüdern Römer, 1701 die erste Indienne-Fabrik in Zürich gegründet (Textilindustrie). 1770 heiratete Salomon Kitt Sara Pauzié, Tochter des Genfer Hugenotten Jérémie Pauzié (auch Pauzier), der bei Zar Peter III. Hofjuwelier gewesen war, und der Madeleine Marie Scalogne. Mit ihr hatte er vier Kinder.

Wie viele seiner Verwandten arbeitete auch Salomon Kitt als Kaufmann und gehörte der Zunft zur Saffran an (Stubenmeister 1769-1770). Als aber das mit seinem Onkel Conrad Kitt gegründete Textilhandelsgeschäft 1778 Konkurs ging, musste er Zürich verlassen; über Paris gelangte er in die Karibik. Von 1779 bis 1781 war er als Kaufmann auf der niederländischen Insel St. Eustatius tätig, wo damals einer der wichtigsten Freihandelshäfen der westlichen Hemisphäre lag. Mit dem Stuttgarter Friedrich Rheinwald gründete er dort die Firma Kitt & Rheinwald, die Waren von Schweizer Geschäftsleuten wie Frey und Pestalozzi in Konsignation hatte sowie Produkte von anderen Textilproduzenten und Textilhändlern bezog: Von Zürich schickte Salomon Trachsler Kleider, von St. Gallen sandte Johann Caspar Zollikofer Baumwolle, von Aarau und Basel kam holländisches Leinen im Auftrag der Herren Herzog, Hunziker und Hagenbach und von Aarau aus verfrachtete Lutz & Hunziker Indiennes und Calancas. Umgekehrt lieferte Kitt & Rheinwald Kolonialwaren wie Kaffee, Zucker oder Indigo nach Europa, etwa an den in Amsterdam wohnhaften Basler Händler Johannes Hoffmann (Handel).

«Ansicht der Insel St. Eustatius». Radierung von Carel Frederik Bendorp nach einer Zeichnung von Gijsbert Thieme van Paddenburg, um 1780, zwei Blätter von je 26 x 41,5 cm (Universitätsbibliothek Leiden, COLLBN E20-12-3322-110/1).
«Ansicht der Insel St. Eustatius». Radierung von Carel Frederik Bendorp nach einer Zeichnung von Gijsbert Thieme van Paddenburg, um 1780, zwei Blätter von je 26 x 41,5 cm (Universitätsbibliothek Leiden, COLLBN E20-12-3322-110/1).

Nach der Eroberung von St. Eustatius durch die Briten in den Englisch-Niederländischen Kriegen verlor Kitt 1781 sämtliche Ware. Er fand Zuflucht auf der dänischen Insel St. Thomas, wo er mit Johannes Iselin die Firma Kitt, Iselin & Co. gründete. Sein Partner war ein Verwandter des in Kopenhagen ansässigen Finanzmagnaten und im Sklavenhandel involvierten Reinhard Iselin; Kitt selber reaktivierte seine Kontakte zu den Geschäftspartnern in Europa und den umliegenden Kolonien.

Als sich die Firma 1783 verschuldete, versuchte Kitt sein Glück in den USA. Er liess sich in Baltimore nieder und streckte seine Fühler an die Frontier aus: Ab 1784 kaufte er im heutigen Bundesstaat Tennessee Land, das er an Siedlerinnen und Siedler aus Deutschland und der Schweiz verkaufen wollte (Schweizer Kolonien). Es blieb bei der Absicht, und die insgesamt 65 km2 Boden wurden versteigert. Um 1825 verliert sich schliesslich seine Spur. Direkte Nachkommen lebten in Paris, in Südfrankreich und in Pointe Coupee bei New Orleans.

Die Biografie von Salomon Kitt ist beispielhaft für die Verflechtung von Schweizer Kaufleuten mit dem kolonialen System. Seine Karriere als Bankrotteur und Schuldner zeigt, wie auch Schweizer die Akkumulationsfelder der Neuen Welt aktiv zu nutzen wussten – gerade nach Konkursen und trotz des oft kriegerischen Umfelds in Übersee.

Quellen und Literatur

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Zitiervorschlag

Ina Boesch: "Kitt, Salomon", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 01.12.2023. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/029393/2023-12-01/, konsultiert am 19.05.2024.