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Halle

Stadt im dt. Bundesland Sachsen-Anhalt, an der Saale gelegen. 2006 ca. 239'000 Einw. Die Beziehungen der Schweiz zu H. setzten im 16. und 17. Jh. ein, als Hallenser an der Univ. Basel studierten. Im letzten Viertel des 17. Jh. siedelten sich auch Schweizer Protestanten in H. an. Vereinzelt unterrichteten Schweizer wie z.B. Johann Ulrich Heyden am ref. Gymnasium. Die 1694 eröffnete Universität, ein Mittelpunkt der Frühaufklärung und des Pietismus, zog ihrerseits Schweizer Studenten an. Von den 196 Schweizern, die bis 1806 in H. immatrikuliert waren, stammten 59 aus Zürich, 38 aus Schaffhausen, 23 aus Bern, 20 aus Graubünden und je 12 aus Basel und aus St. Gallen. An erster Stelle standen die Juristen, gefolgt von den häufig promovierenden Medizinern und den vom Pietismus, später der Neologie Johann Salomo Semlers beeinflussten Theologen. Nachdem die Zürcher durch den Waserhandel in Göttingen in Verruf geraten waren, wichen ab 1782 manche von ihnen nach H. aus. Vom Pietisten August Hermann Francke und von dessen Schulanstalten ging neben den Bekehrung, Erbauung und Mission fördernden Impulsen die Anregung zur Gründung von Waisenhäusern aus (Schaffhausen, Thusis). Der in H. ausgebildete Johann Peter Nesemann leitete mit Ulysses von Salis das Philanthropinum in Marschlins. Bedeutenden Einfluss übten die frühaufklärer. Juristen Christian Thomasius, Samuel Stryk und Justus Henning Böhmer aus. Diese übertraf an Wirkung noch Christian Wolff, dessen Lehrbücher interkonfessionell Verbreitung fanden. Auch im 19. und 20. Jh. bestanden Kontakte zwischen der Schweiz und der Univ. H., an der z.B. Emil Abderhalden (Physiologie und physiolog. Chemie) und Eugen Huber (Handelsrecht, Öffentliches Recht) lehrten. Diese erreichten allerdings nicht mehr die frühere Intensität.

Quellen und Literatur

  • K. Weiske, «A.H. Francke und die Schweiz», in ZSK 45, 1927, 88-116
  • W. Kaiser, W. Piechocki, «Schweizer Medizinstudenten und Ärzte des 18. Jh. als Absolventen der Medizin. Fakultät H.», in Gesnerus 26, 1969, 189-212
  • F. Richner, «Zürcher Studenten in H.», in ZTb 1990, 1989, 79-102
Weblinks
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